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OpenAI vs. New York Times: Entsiegelte Dokumente verschärfen den Paywall-Streit

Neu entsiegelte Unterlagen im Copyright-Verfahren gegen OpenAI und Microsoft rücken Paywalls, Substitution und Lizenzmärkte in den Mittelpunkt. Für Publisher geht es um mehr als Training: um die wirtschaftliche Rolle ihrer Inhalte in KI-Produkten.

Von Social Rocket Redaktion

Dieser Text wurde KI-gestützt erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Quellen sind unten verlinkt.

Person liest eine Zeitung bei einer Tasse Kaffee
Foto: Anna Keibalo / Unsplash

Neu entsiegelte Unterlagen im Copyright-Verfahren zwischen The New York Times, OpenAI und Microsoft verschärfen die Debatte darüber, wann die Nutzung journalistischer Inhalte für KI noch unter Fair Use fallen kann. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Trainingsdaten, sondern auch Paywalls, Substitution und bereits existierende Lizenzmärkte.

Digiday hat die jüngsten Unterlagen gemeinsam mit Juristen und Publishing-Experten ausgewertet. Entscheidend ist: Die Aussagen stammen aus laufenden Verfahren und sind noch keine gerichtliche Feststellung eines Rechtsverstoßes.

Warum Paywalls rechtlich besonders relevant werden

Die Kläger argumentieren, OpenAI und Microsoft hätten urheberrechtlich geschützte journalistische Inhalte in großem Umfang genutzt und dabei teilweise auch Material hinter Paywalls verarbeitet. Neu entsiegelte interne Kommunikation und Aussagen von Führungskräften werden nun genutzt, um Zweifel an der Fair-Use-Verteidigung zu nähren.

Besonders heikel ist die Frage, ob technische Schutzmaßnahmen umgangen wurden. Digiday verweist auf Rechtsexperten, die darin einen deutlich anderen Sachverhalt sehen als bei frei erreichbaren Webseiten. Eine mutmaßliche Umgehung von Zugangsbeschränkungen könnte zusätzlich zu klassischen Copyright-Fragen auch andere US-rechtliche Vorschriften berühren.

OpenAI widerspricht der grundsätzlichen Darstellung der Kläger. Das Unternehmen hat am 4. September 2026 einen Antrag auf Summary Judgment eingereicht und argumentiert weiterhin, dass die Nutzung von Inhalten für Modelltraining unter Fair Use fallen könne. Auf seiner offiziellen Seite zum New-York-Times-Verfahren betont OpenAI außerdem, dass Teile der Klagen bereits eingegrenzt oder abgewiesen worden seien.

Substitution wird zum Kernpunkt für Publisher

Für Publisher ist der Streit wirtschaftlich deshalb so wichtig, weil KI-Systeme Inhalte nicht nur verarbeiten, sondern Nutzern Antworten liefern können, ohne dass diese anschließend auf die ursprüngliche Website klicken müssen.

Reuters berichtete am 17. September über interne Aussagen, nach denen Mitarbeiter und Führungskräfte selbst die Gefahr diskutierten, dass KI-Produkte Nachrichtenangebote teilweise ersetzen könnten. Microsoft erklärte laut Reuters, einzelne interne Aussagen spiegelten nicht die Rechtsposition des Unternehmens wider.

Damit rückt der vierte Fair-Use-Faktor stärker in den Fokus: Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Nutzung auf den Markt für das Originalwerk? Wenn KI-Produkte den Bedarf an einem Besuch oder Abonnement reduzieren, ist das für Publisher deutlich relevanter als die abstrakte Frage, ob ein Modell einen Artikel technisch „transformiert“.

Wie stark sich dieser Zero-Click-Effekt bereits auf Medienmodelle auswirkt, zeigt unser Überblick zu Wikipedia zwischen KI-Reichweite und sinkenden direkten Besuchen.

Lizenzmärkte existieren längst

Ein weiterer Punkt: Der Markt für lizenzierte Publisher-Inhalte ist inzwischen real. Große KI- und Plattformanbieter schließen Vereinbarungen mit Medienhäusern, während andere Publisher auf direkte maschinenlesbare Produkte setzen.

Google testet beispielsweise eine Pay-per-Use-Vergütung für Publisher-Inhalte in KI-Produkten. Axios baut mit Axios Direct eigene Nachrichtenfeeds für KI-Agenten und interne Modelle. Solche Angebote stärken das Argument, dass journalistische Inhalte einen konkreten Marktwert für KI-Systeme haben.

Für Publisher verändert das die Verhandlungsposition: Je stärker Lizenzierung zum etablierten Standard wird, desto schwieriger wird es, unlizenzierte Nutzung wirtschaftlich als folgenlos zu behandeln.

Was der Fall für Marketing und Publishing bedeutet

Für Marketingteams ist der Fall relevant, weil Content-Wert zunehmend jenseits klassischer Website-Besuche entsteht. Marken, Publisher und Creator müssen unterscheiden zwischen Sichtbarkeit in KI-Antworten, tatsächlichen Citations, Referral-Traffic und kommerzieller Nutzung ihrer Inhalte.

Genau deshalb reicht bei AI Search inzwischen kein einzelner Sichtbarkeitswert. Unser Beitrag zur AEO-Messung mit Comscore-Daten zeigt, wie stark sich Sourcing, Citation und Referral unterscheiden können.

Für Publisher kommt eine zweite Ebene hinzu: Wenn Inhalte als Input für kommerzielle KI-Produkte dienen, werden Lizenzbedingungen, technische Zugriffskontrollen und dokumentierte Nutzungsrechte zu einem Bestandteil der Monetarisierungsstrategie.

Noch ist nichts abschließend entschieden

Der aktuelle Stand ist kein Urteil darüber, ob OpenAI oder Microsoft im konkreten Fall Copyright oder andere Vorschriften verletzt haben. Die entsiegelten Dokumente liefern den Klägern neues Material; OpenAI und Microsoft halten an ihrer Fair-Use-Verteidigung fest beziehungsweise bestreiten, dass einzelne interne Aussagen die rechtliche Position der Unternehmen definieren.

Für Publisher ist trotzdem ein Trend klar sichtbar: Die Debatte verschiebt sich von „dürfen Modelle öffentliches Webmaterial lernen?“ hin zu „welchen Marktwert haben Inhalte, welche Zugriffsgrenzen gelten und wann ersetzt ein KI-Produkt das Original wirtschaftlich?“

Quellen