Pinterest veröffentlicht neue Suchtrends und ein Marketing-Playbook für Menschen, die weniger scrollen und mehr im echten Leben unternehmen wollen. In der am 13. Oktober 2026 veröffentlichten Pinterest-Business-Auswertung stiegen plattforminterne Suchanfragen wie „things to do instead of scrolling“ im Jahresvergleich um 365 Prozent, „analogue aesthetic“ um 260 Prozent und „dumb phone“ um 150 Prozent. Für Marken ist weniger der Anti-Social-Slogan interessant als die Frage, wie aus visueller Inspiration eine konkrete Entscheidung wird.
Suchwachstum ist weder Nutzerwachstum noch Kaufbeweis
Auch „coffee station ideas party“ legte laut Pinterest um 624 Prozent zu, „bedazzle headphones“ um 1.233 Prozent. Solche relativen Veränderungen können aufkommende Themen sichtbar machen; Pinterest nennt im veröffentlichten Artikel aber keine absoluten Suchmengen für diese Beispiele. Ein starkes Plus bedeutet deshalb nicht, dass das Thema bereits ein Massenmarkt ist.
Pinterest zitiert zudem Befragungsdaten, denen zufolge 40 Prozent der Gen Z wünschten, soziale Medien wären nie erfunden worden; 63 Prozent der erwachsenen Gen Z wollten sich bewusst ausklinken. Die Angaben stammen aus von Pinterest ausgewählten Studien beziehungsweise Quellen. Die Plattform nutzt sie für die eigene Positionierung – das ist keine unabhängige Reichweiten- oder Werbewirkungsstudie.
Die Auswertung ergänzt frühere Entwicklungen: Bereits unser Bericht zur gezielteren Teen-Nutzung auf Pinterest beschrieb, wie Suche und gespeicherte Ideen gegenüber endlosem Scrollen betont werden.
Von Ideen zum nächsten realen Schritt
Das praktische Prinzip lässt sich unabhängig vom Pinterest-Slogan formulieren: Ein Pin ist für Marketer dann besonders hilfreich, wenn Nutzer nach der Inspiration etwas Konkretes tun können. Ein Rezept braucht Zutaten, eine Einrichtungsidee Maßangaben oder eine Einkaufsliste, ein Look die auffindbaren Produkte. Pinterest selbst nennt im Playbook genau solche nachvollziehbaren Wege und verweist auf eine Starbucks-Kampagne in Mexiko, bei der ein Pin den nächsten Café-Termin über eine Kalenderfunktion vorbereiten konnte.
Das bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen seine Nutzer möglichst schnell aus einer App entfernen muss. Es bedeutet, Reibung nach der Entdeckung zu reduzieren: Produktdetails, Preise, Verfügbarkeit und Links müssen zur gezeigten Idee passen. Der bestehende Leitfaden zu Pinterest Shopping Ads und Performance+ erläutert den technischen Teil dieser Aufgabe.
Was sich für deutsche Kampagnen tatsächlich testen lässt
Marken können Suchthemen wie analoge Hobbys, Basteln, Reisen oder Treffen mit Freunden als Hypothesen für saisonale Pins nutzen. Anschließend sollten Kampagnen getrennt nach Such- oder Inspirationsumfeld, Klicks, gespeicherten Pins und messbaren Shop-Aktionen ausgewertet werden. Bei kleinen Suchvolumen können hohe Wachstumsraten ein schlechter Planungsmaßstab sein.
Auch die Verbindung mit Creatorn ist interessant: Seit Oktober können Marken ausgewählte organische Creator-Pins als Werbung einsetzen. Für solche Kooperationen müssen Rechte, transparente Kennzeichnung und die tatsächliche Verfügbarkeit der Werbeoptionen im jeweiligen Markt geprüft werden.
Fazit: Pinterest liefert brauchbare Themen- und Intent-Signale, aber keinen Beleg dafür, dass „weniger Scrollen“ automatisch mehr Umsatz erzeugt. Der Mehrwert liegt in einem überprüfbaren Schritt von der Idee zur Handlung.
