Twitter setzt verstärkt auf Videoinhalte

Mit der neuen CEO Linda Yaccarino, die über langjährige Erfahrung im Aufbau einer ad-unterstützten Video-Plattform verfügt, möchte Twitter sein Angebot für Werbepartner attraktiver gestalten. Yaccarino war maßgeblich an der Entwicklung des Streaming-Dienstes Peacock von NBC beteiligt, der mittlerweile über 20 Millionen Abonnenten hat. Twitter plant nun, dieses Wissen in seine eigene Video-Plattform zu integrieren und seine Popularität als „Second-Screening“-Dienst, also als Plattform, die die Fernseherfahrung ergänzt, in eine umfassendere Unterhaltungslösung zu verwandeln.

Dies ist der Weg, den alle sozialen Plattformen einschlagen. TikTok hat den Weg gebahnt, soziale Apps von einer Plattform für den persönlichen Austausch in einen reinen Unterhaltungs-Feed zu verwandeln. Und nun möchte auch Twitter diesem Beispiel folgen und hat daher verschiedene neue Videoelemente hinzugefügt.

Beispielsweise hat Twitter in diesem Monat die Funktion Picture-in-Picture (PiP) eingeführt, sodass Videos auch außerhalb der App weiter abgespielt werden können.

Twitter hat außerdem seine Bildschirmspiegelungs-Integration verbessert, um das Streamen von Twitter-Videos auf den heimischen Fernseher zu erleichtern. Zudem wurden reaktionsschnellere Wiedergabesteuerelemente hinzugefügt, um das Videoerlebnis zu verbessern.

Die jüngste Ergänzung in diesem Bereich ist ein Airplay-Button für iOS, der das Streamen von Twitter-Videos direkt auf den Fernseher erleichtert.

Darüber hinaus dürfen Twitter Blue-Abonnenten jetzt Videos mit einer Länge von bis zu zwei Stunden hochladen. Damit will Twitter seine Bemühungen zur Monetarisierung von Inhalten durch Creator unterstützen. Dieser Schritt soll mehr Publisher dazu ermutigen, ihre Inhalte direkt über die App zu teilen und Twitter somit als Unterhaltungsdestination in Konkurrenz zu YouTube und anderen Plattformen zu positionieren.

Auf diesem Gebiet hat Twitter noch einen langen Weg vor sich, da YouTube deutlich mehr Umsatzgenerierungspotenzial bietet. Dennoch wird an der Entwicklung dieses Bereichs gearbeitet. Größere Publisher wie Apple experimentieren ebenfalls mit längeren Videoinhalten auf der App. Dies könnte den Weg für Twitter ebnen, sein Videoangebot auszuweiten und neue Möglichkeiten für Creator und Werbetreibende zu schaffen.

In Bezug darauf hat Yaccarino kürzlich betont, dass die Entwicklung von verbesserten Vollbild- und Ton-an Anzeigen ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sein wird. Zudem arbeitet sie daran, mehr Prominente und Influencer für die App zu gewinnen, um diese Neuausrichtung zu unterstützen.

Die Idee ist, dass Twitter langfristig einen ähnlichen, vollflächigen Video-Feed wie TikTok ermöglicht, jedoch mit exklusivem Twitter-Content. Bekannte Stars wie Tucker Carlson haben bereits den Wechsel zu Twitter als Alternative zu ihrem eingestellten Fox News-Programm vollzogen.

Die ersten Folgen von Tucker Carlsons neuer Twitter-Show haben zunächst viel Aufmerksamkeit erregt. Die erste Episode verzeichnete nach Angaben von Twitter insgesamt 26,7 Millionen Views. Das hat Elon Musk dazu veranlasst, die Reichweite der Plattform in einer Präsentation an andere Rundfunkanbieter anzupreisen. Seitdem sind jedoch die Zuschauerzahlen der darauffolgenden Episoden gesunken. Die neueste Episode der Sendung erreichte lediglich 3,8 Millionen Zuschauer.

Das sind immer noch signifikante Zahlen, zeigen aber auch, dass die Twitter-Nutzer ihr Verhalten in Bezug auf das Videostreaming und die Nutzung der App noch nicht grundlegend geändert haben. Twitter hat also noch einige Arbeit vor sich, um das Nutzerverhalten im Einklang mit dem neuen Fokus auf Videoinhalte weiterzuentwickeln.

Kann Twitter es schaffen, seine Beliebtheit als Echtzeit-Nachrichtenquelle mit einer Online-Video-Plattform zu vereinen? Twitter versucht dies bereits seit Jahren auf verschiedene Weise, um sich als führender Anbieter von Unterhaltung und zugehörigen Kommentaren zu etablieren. Bisher ist dies jedoch noch nicht gelungen. Vielleicht kann Twitter unter der Leitung von Yaccarino die Nutzergewohnheiten neu ausrichten und mehr Videoinhalte in die App integrieren, um somit neue Möglichkeiten für Videowerbung und eine größere Reichweite für Werbetreibende zu schaffen.

Es gibt noch viel zu tun, aber das Gerüst nimmt langsam Gestalt an. Dies könnte neues Potenzial für Ihre Twitter-Kampagnen erschließen.

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