YouTube hat bei Made on YouTube 2026 eine größere Welle neuer Funktionen für Zuschauer und Creator angekündigt. Besonders relevant sind drei Änderungen: Nutzer können eigene Custom Feeds per Text-Prompt anlegen, Creator können Shorts als Staffeln und Episoden organisieren, und ein neuer Gemini-basierter Editor soll Teile der Videobearbeitung per Gespräch steuern.
Damit verschiebt YouTube gleich mehrere bisher feste Grenzen der Plattform: Empfehlungen werden stärker vom Nutzer steuerbar, Shorts bekommen eine serielle Struktur und generative KI wird vom einzelnen Effekt zum Produktionswerkzeug.
Custom Feeds: Nutzer können den Algorithmus stärker lenken
Mit Custom Feeds können Nutzer künftig eigene Tabs auf der YouTube-Startseite anlegen und in natürlicher Sprache beschreiben, welche Inhalte sie sehen möchten. YouTube nennt als Beispiele unter anderem Podcasts für einen bestimmten Arbeitsweg, lange Dokumentationen für den Abend oder neue DIY-Creator.
Die Feeds sollen automatisch mit neuen Empfehlungen aktualisiert werden. Laut YouTube starten sie zunächst im Herbst 2026 in den USA auf Web, Mobile und TV. Der normale Home-Feed bleibt parallel bestehen.
Für Marken und Creator ist das relevant, weil Empfehlungen damit nicht mehr nur aus dem klassischen personalisierten Hauptfeed entstehen. Thematische Klarheit, wiedererkennbare Formate und eine saubere inhaltliche Positionierung können wichtiger werden, wenn Nutzer selbst stärker definieren, welche Art von Content sie entdecken möchten. Wie YouTube Inhalte bereits heute an Zielgruppen ausspielt, haben wir in unserem Beitrag zum YouTube-Algorithmus 2026 eingeordnet.
Shorts werden zu Staffeln und Episoden
YouTube führt außerdem Shorts Series ein. Creator können Shorts dabei in Staffeln und Episoden strukturieren, mit eigener Reihenfolge, angepassten Thumbnails und fortlaufender Wiedergabe. Die Funktion rollt laut YouTube ab sofort über Web, Mobile und TV aus.
Der Schritt richtet sich klar an episodischen Kurzvideo-Content und Microdramas. YouTube meldet für das erste Halbjahr 2026 bereits mehr als 6,5 Milliarden Aufrufe von Microdrama-Inhalten. Die Watchtime dieser Inhalte sei gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent gestiegen, auf Fernsehern sogar die Zahl der Views um mehr als 90 Prozent.
Das passt zur breiteren Entwicklung von YouTube zum Wohnzimmer-Medium. Mehr dazu zeigt unsere Analyse zu YouTube und Connected TV in Deutschland.
Gemini wird zum Gesprächspartner beim Videoschnitt
Auch die Produktion wird stärker automatisiert. YouTube integriert Gemini Omni in einen konversationellen Editor für Shorts und die YouTube-Create-App. Creator können per Textanweisung unter anderem Sprache kürzen, Musik synchronisieren, Text-Hooks ergänzen oder Frames neu anordnen lassen und anschließend wieder manuell weiterarbeiten.
YouTube Studio bekommt parallel weitere KI-Funktionen für Analyse, Feedback und Thumbnails. Dazu gehören Hinweise zu Tempo und Struktur eines Entwurfs sowie personalisierte Thumbnail-Generierung und Tests verschiedener Varianten.
Das ist mehr als ein einzelner KI-Effekt: YouTube versucht, Recherche, Editing, Verpackung und Auswertung stärker in Studio und Create zusammenzuführen.
Live, Posts und Shopping werden ebenfalls ausgebaut
Made on YouTube 2026 umfasst zusätzlich neue Live- und Community-Funktionen. Geplant sind unter anderem Live Showdowns für Co-Streams, Live-Auto-Dubbing und eine weitere Ausweitung von Watch With. Dieses Format hatten wir bereits separat eingeordnet: YouTube öffnet Watch With für mehr Creator.
Auch Posts werden sichtbarer. YouTube zufolge interagieren täglich im Schnitt mehr als 300 Millionen Nutzer mit Posts. Künftig sollen Posts stärker im Shorts-Umfeld empfohlen und später auch auf TV-Geräten sichtbar werden.
Im Commerce-Bereich baut YouTube außerdem Shopping weiter aus. Das Affiliate-Programm soll bis Jahresende in 35 Ländern verfügbar sein, Produkt-Tags stärker lokalisiert werden. Für Deutschland läuft das Thema bereits: YouTube Shopping ist 2026 in Deutschland gestartet.
Was sich für Creator und Marken ändert
Die Einzelupdates zeigen zusammen eine klare Richtung: YouTube möchte Discovery, Produktion und Monetarisierung enger in derselben Plattform halten. Creator bekommen mehr Werkzeuge für serielle Formate und KI-gestützte Produktion. Nutzer bekommen mehr Einfluss auf ihre Empfehlungen. Marken erhalten zugleich zusätzliche Flächen rund um Creator-Partnerschaften, Shopping und TV-Nutzung.
Für die Praxis heißt das vor allem: Formate sollten nicht nur als einzelne Uploads gedacht werden. Serienlogik, klar erkennbare Themencluster und Inhalte, die sowohl auf Mobile als auch auf TV funktionieren, gewinnen weiter an Bedeutung.
