Meta, TikTok und X wehren sich in Großbritannien vor Gericht gegen umfangreiche Datenforderungen der Medien- und Onlineaufsicht Ofcom. Im Mittelpunkt stehen Informationsbescheide aus dem Februar 2026, mit denen die Behörde detaillierte Kennzahlen zur Content-Moderation unter dem britischen Online Safety Act verlangt.
Welche Daten Ofcom von den Plattformen will
Laut Reuters fordert Ofcom unter anderem Angaben dazu, wie viele Beiträge entfernt oder in ihrer Sichtbarkeit eingeschränkt wurden und wie viele Nutzer potenziell schädlichen Inhalten ausgesetzt waren.
Die drei Unternehmen halten den Umfang der Abfragen für überzogen. X bezeichnete die Anfrage in einer Zeugenaussage laut Reuters als die belastendste regulatorische Informationsanforderung, die das Unternehmen bisher in irgendeinem Land erhalten habe. Meta kritisiert die breite und sehr detaillierte Abfrage über sieben Dienste hinweg. TikTok argumentiert, Ofcom habe einen alternativen Monitoring-Mechanismus mit eigenen Schutzvorkehrungen umgangen.
Ofcom hält dagegen, dass die Daten benötigt werden, um zu beurteilen, ob das neue Online-Safety-Regime tatsächlich wirkt. Der Regulierer verweist zudem darauf, den Umfang der Anfragen bereits reduziert zu haben.
Online Safety Act erhöht den Druck auf Plattformen
Der britische Online Safety Act von 2023 verpflichtet große Plattformen zu umfangreicheren Schutz- und Risikomaßnahmen. Bei schweren Verstößen kann Ofcom Geldbußen von bis zu 10 Prozent des weltweiten Umsatzes verhängen.
Die aktuelle Auseinandersetzung ist damit mehr als ein Streit über Reporting-Aufwand. Sie berührt die Frage, wie detailliert Plattformen ihre Moderationssysteme gegenüber Regulierern offenlegen müssen und wie messbar die tatsächliche Exposition gegenüber problematischen Inhalten sein soll.
Der Konflikt passt in eine breitere regulatorische Entwicklung. In Europa und anderen Märkten werden Altersgrenzen und Jugendschutz für Social Media verschärft diskutiert. Australien geht mit einem geplanten Opt-out aus algorithmischen Feeds noch einen anderen Weg. Gleichzeitig zeigen internationale Umfragen eine wachsende Skepsis gegenüber den gesellschaftlichen Folgen sozialer Plattformen, wie unsere Zusammenfassung der Pew-Studie zu Social Media und Demokratie zeigt.
Was das für Social-Media-Marketing bedeutet
Für Werbetreibende ändert das Verfahren zunächst keine Kampagneneinstellungen. Langfristig sind solche Verfahren trotzdem relevant, weil strengere regulatorische Messpflichten Einfluss auf Plattformberichte, Moderationsprozesse und die Verfügbarkeit bestimmter Zielgruppen- oder Safety-Daten haben können.
Die Anhörung zu den Informationsforderungen soll laut Reuters am 7. Oktober 2026 enden. In der folgenden Woche wird zudem eine separate Meta-Anfechtung zur Berechnung von Gebühren und möglichen Sanktionen erwartet.
