Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert ein EU-weites Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren. In einem Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verlangt er eine einheitliche europäische Regelung, nachdem ein französischer Gesetzentwurf im Sommer vom Verfassungsrat gestoppt worden war.
Die Forderung fällt in eine Phase, in der auch Deutschland und die EU ihre Regeln für Minderjährige auf Plattformen wie Instagram, TikTok, YouTube, Snapchat oder X neu bewerten. Für Plattformen und Werbetreibende ist deshalb vor allem eine Frage entscheidend: Wie wird das Alter künftig verlässlich geprüft?
Frankreich drängt auf eine einheitliche EU-Regel
Reuters berichtet am 8. September 2026, dass Macron in einem auf den 29. August datierten Brief ein neues EU-Gesetz verlangt. Sein Vorschlag geht weiter als das zuletzt diskutierte europäische Stufenmodell: Unter 15-Jährige sollen grundsätzlich keinen Zugang zu Social-Media-Plattformen erhalten.
Die EU verfolgt bislang einen differenzierteren Ansatz. Nach Angaben der Europäischen Kommission haben Experten ein Modell empfohlen, bei dem Kinder unter 13 Jahren nur eingeschränkten und beaufsichtigten Zugang erhalten und Schutzmaßnahmen mit zunehmendem Alter schrittweise gelockert werden könnten.
Eine endgültige EU-Regelung existiert bislang nicht. Für Marken wäre es deshalb verfrüht, schon jetzt mit einer festen europäischen Altersgrenze zu planen.
Deutschland diskutiert eine Grenze ab 13
Auch in Deutschland liegt inzwischen ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission empfahl im Juni unter anderem, Kindern unter 13 Jahren eigene Social-Media-Accounts zu untersagen. Für die Altersgruppen 13 bis 16 und 16 bis 18 sollen abgestufte Schutzstandards gelten.
Familienministerin Karin Prien bezeichnete eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für die selbstständige Social-Media-Nutzung grundsätzlich als richtigen Ansatz. Die Empfehlungen sind jedoch noch keine beschlossene Rechtslage.
Die Debatte betrifft Plattformen mit sehr großer Reichweite. TikTok meldet inzwischen 189 Millionen monatliche Nutzer in der EU, Instagram kommt laut aktuellem DSA-Bericht auf 297 Millionen monatlich aktive Nutzer. Änderungen beim Zugang Minderjähriger könnten damit auch Reichweitenplanung, Creator-Kampagnen und Zielgruppenmodelle beeinflussen.
Altersverifikation wird zum technischen Kernproblem
Ein Alterslimit funktioniert nur, wenn Plattformen erkennen können, welche Nutzer tatsächlich minderjährig sind. Genau daran arbeitet die EU bereits unabhängig von einer möglichen Social-Media-Grenze.
Die Europäische Kommission hat 2026 eine europäische App zur Altersverifikation vorgestellt. Nutzer sollen damit ihr Alter nachweisen können, ohne unnötige personenbezogene Daten an einzelne Dienste weiterzugeben. Mitgliedstaaten können die Lösung als eigenständige App einsetzen oder in ihre europäischen Digital-Identity-Wallets integrieren. Die Kommission strebt eine breite Verfügbarkeit bis Ende 2026 an.
Australien zeigt, wie weit eine solche Regulierung gehen kann: Seit dem 10. Dezember 2025 müssen dort unter anderem Facebook, Instagram, Snapchat, Threads, TikTok, Twitch, X, YouTube, Kick und Reddit angemessene Schritte unternehmen, um Accounts von Unter-16-Jährigen zu verhindern. Die Pflicht liegt bei den Plattformen, nicht bei den Jugendlichen selbst.
Was Marketer jetzt beachten sollten
Für Werbetreibende ändert sich kurzfristig noch keine EU-weite Altersgrenze. Die Richtung ist jedoch klar: Plattformen werden stärker dazu gedrängt, Minderjährige zuverlässig zu erkennen und ihre Nutzung gesondert zu behandeln.
Das kann langfristig mehrere Bereiche berühren: verfügbare Zielgruppen, Reichweitenprognosen, Creator-Auswahl, Messung und die Gestaltung jugendnaher Kampagnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Plattformen, Schutzmaßnahmen nicht nur über freiwillige Einstellungen zu lösen. Meta hat nach seinem US-Vergleich bereits zusätzliche Teen-Schutzregeln eingeführt.
Für Kampagnenplaner ist deshalb wichtiger, regulatorische und technische Entwicklungen zu beobachten, als jetzt schon pauschal mit einem EU-Verbot ab 15 zu rechnen. Macrons Vorstoß erhöht den politischen Druck – entschieden ist die europäische Altersgrenze aber noch nicht.
