In der Creator Economy verschiebt sich die Vergütung: Neben klassischen Brand-Deals tauchen Angel Investments und Sweat Equity häufiger als Modell auf. Creator werden damit nicht nur für Reichweite oder Content bezahlt, sondern können sich als Investoren, Berater oder langfristige Partner an Unternehmen beteiligen.
Digiday beschreibt diesen Schritt als nächste Phase nach einmaligen Kampagnen, Advisory-Rollen und Creator-Positionen in Unternehmen. Parallel baut sich eine Infrastruktur dafür auf: Die Investmentplattform Cherub veranstaltete am 9. September 2026 in Brooklyn einen eigenen Creator Angel Summit für 100 ausgewählte Creator, die sich mit Angel Investing, SAFEs, SPVs, Cap Tables und Advisory Shares beschäftigen wollten.
Von Reichweite zu Ownership
Hinter dem Modell stehen zwei unterschiedliche Wege. Beim Angel Investing investiert ein Creator eigenes Kapital in ein Unternehmen. Bei Sweat Equity fließt statt Geld Arbeit ein – etwa strategische Beratung, Produktfeedback, Creative Direction oder Unterstützung beim Creator-Go-to-Market – und im Gegenzug gibt es einen Unternehmensanteil.
Das unterscheidet sich deutlich vom klassischen Influencer-Deal. Ein gesponserter Post wird für eine klar definierte Leistung bezahlt. Equity ist dagegen langfristig, illiquide und an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt. Für Startups kann das attraktiv sein, wenn ein Creator tatsächlich Distribution, kulturelles Verständnis oder Branchenwissen einbringt.
Digiday zitiert mehrere Agentur- und Investmentvertreter, die genau diese strategische Rolle betonen. Creator auf dem Cap Table sollen demnach nicht einfach „für Equity posten“, sondern im Idealfall Fähigkeiten liefern, die einem jungen Unternehmen intern fehlen.
Erste Benchmarks entstehen – aber Standards fehlen noch
Der Markt ist noch uneinheitlich. Digiday verweist auf einen Cherub-Guide, der je nach Umfang der Zusammenarbeit unterschiedliche Beteiligungsgrößen und Vesting-Zeiträume skizziert. Die Bandbreite reicht dort von kleinen Advisory-Anteilen bis zu deutlich größeren Beteiligungen für langfristige operative Rollen.
Gerade deshalb wird die Struktur wichtig: Welche Leistung wird erwartet? Wie lange läuft die Zusammenarbeit? Was passiert bei einem Exit? Wie wirkt sich spätere Verwässerung aus? Ohne klare Definition kann ein vermeintlich attraktiver Equity-Deal für Creator schnell deutlich weniger wert sein als ein transparent bezahlter Auftrag.
Der Trend passt zu einer größeren Verschiebung in der Creator Economy. Jaylen Brown setzt mit 741 bewusst auf Ownership statt klassischem Sponsoring. Gleichzeitig bleiben Plattformerlöse wichtig, wie unser Vergleich der Creator-Monetarisierung 2026/27 zeigt. Und im Commerce-Bereich konsolidiert sich bereits die Infrastruktur, etwa beim Verkauf von Howls Creator-Sparte an Connexity.
Für Marken wird Creator-Auswahl anspruchsvoller
Für Unternehmen reicht bei Equity-Deals eine große Followerzahl allein nicht. Wer einen Creator langfristig beteiligt, braucht einen belastbaren strategischen Fit: Zielgruppe, Reputation, Branchenwissen, tatsächliche Mitarbeit und die Fähigkeit, über einzelne Kampagnen hinaus Wert zu schaffen.
Für Creator wiederum verändert sich die Rechnung ebenfalls. Ein Equity-Anteil kann theoretisch mehr Upside bieten als ein Honorar, bringt aber auch das Risiko mit, am Ende wenig oder nichts wert zu sein. Der interessanteste Teil des Trends ist deshalb nicht, dass Brand-Deals verschwinden. Vielmehr entsteht eine zusätzliche Vergütungsebene zwischen Influencer-Marketing, Beratung und Investment.
