Die Creator-Commerce-Plattform Howl hat Teile ihres Geschäfts an Connexity verkauft, die E-Commerce- und Performance-Marketing-Tochter von Taboola. Nach einem Bericht von Adweek bestätigte Howl-Gründerin Li Haslett Chen den Asset-Verkauf. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte dem Medium, dass es sich um das Creator-Geschäft handle; finanzielle Details wurden nicht veröffentlicht.
Für die Creator Economy ist der Deal interessanter als ein gewöhnlicher Softwareverkauf: Hier treffen Influencer- und Affiliate-Commerce auf klassische Performance- und Retail-Media-Infrastruktur.
Was über den Howl-Deal bekannt ist
Adweek berichtet unter Berufung auf mehrere Quellen, dass Howl einen Teil seines Geschäfts an Connexity verkauft hat. Chen bestätigte dem Medium den Asset-Verkauf. Dem Bericht zufolge fand die Transaktion bereits im August 2026 statt und betrifft das Creator-Geschäft von Howl.
Eine separate öffentliche Transaktionsmeldung von Connexity oder Taboola war in den von uns geprüften Unternehmens-Newsrooms zunächst nicht auffindbar. Auch die operative Umstellung ist noch nicht transparent: Die Howl-Website bewirbt weiterhin Creator-Tools, Brand-Deals, Shops und das Creator-Programm Howl Select.
Für Creator und Marken ist deshalb derzeit offen, wie schnell Accounts, Kampagnen, Tracking oder Brand-Beziehungen technisch unter Connexity integriert werden.
Howl hatte sich stark auf Creator Commerce ausgerichtet
Howl positioniert sich als Plattform, auf der Creator Affiliate-Links, Brand-Deals, Shops und Performance-Daten verwalten. Das Unternehmen erklärte im August 2025, seit 2022 mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar an creator-getriebenen Verkäufen vermittelt und über 100 Millionen US-Dollar an Creator ausgezahlt zu haben. Damals nannte Howl rund 23.000 Creator auf der Plattform. Diese Zahlen stammen vom Unternehmen selbst.
Howl verbindet klassische Affiliate-Vergütung mit zusätzlichen Modellen wie Flat Fees, Content-Lizenzen, CPC- und Lead-Vergütung. Damit gehört das Unternehmen zu einer Entwicklung, die wir auch bei den sinkenden und stärker leistungsabhängigen Creator-Preisen sehen: Marken wollen Creator-Ausgaben zunehmend näher an messbare Ergebnisse koppeln.
Connexity bringt Performance- und Retail-Media-Infrastruktur mit
Connexity ist seit 2021 Teil von Taboola und betreibt eine Performance-Marketing-Plattform für Händler und Publisher. Nach eigenen Angaben verarbeitet das Netzwerk rund 1,5 Milliarden Klicks pro Jahr und arbeitet unter anderem mit Walmart, Wayfair, Etsy und ShopApotheke.
Taboola hatte Connexity 2021 ausdrücklich übernommen, um sein E-Commerce-Geschäft im offenen Web auszubauen. Zum Portfolio gehören inzwischen außerdem Skimlinks sowie Taboolas Performance-Plattform Realize.
Der Howl-Deal passt deshalb strategisch in ein größeres Muster: Creator-Inventar, Affiliate-Links, Retail-Media-Budgets und Performance-Messung wachsen technisch immer stärker zusammen. Das bedeutet nicht automatisch, dass Howl vollständig in Taboola integriert wird – dazu gibt es bislang keine öffentliche Produkt-Roadmap. Aber die Kombination zeigt, welche Infrastruktur im Creator Commerce wertvoll wird: Transaktionsdaten, Attribution, Händlerbeziehungen und skalierbare Kampagnenabwicklung.
Creator Commerce wird weniger isoliert
Creator-Marketing wurde lange als eigener Kanal behandelt. Inzwischen verschwimmen die Grenzen. Ein Creator-Post kann gleichzeitig Markenkooperation, Affiliate-Touchpoint, Performance-Anzeige und Commerce-Content sein.
Das verändert auch die Monetarisierung. Plattform-Payouts bleiben relevant, sind aber nur ein Teil des Geschäfts. Einen Überblick über die unterschiedlichen Modelle von YouTube, TikTok, Instagram und anderen Netzwerken gibt unser Guide zur Creator-Monetarisierung 2026.
Gleichzeitig fließt mehr Werbebudget direkt in Social Commerce. Beim diesjährigen Back-to-School-Geschäft zeigten Agenturdaten beispielsweise, dass Marken mehr Budget zu TikTok verschieben und Commerce-Funktionen stärker in die Mediaplanung einbeziehen.
Was der Deal für Creator und Marken bedeutet
Kurzfristig sollten Howl-Nutzer vor allem auf konkrete Informationen zu Verträgen, Auszahlungen, Tracking, Attribution und Account-Migration achten. Solange Connexity oder Howl keine detaillierte Integrations-Roadmap veröffentlichen, wäre es verfrüht, einzelne Produktänderungen vorherzusagen.
Langfristig ist der Deal aber ein weiteres Signal für Konsolidierung in der Creator Economy. Plattformen, Affiliate-Netzwerke und Adtech-Anbieter versuchen zunehmend, die gesamte Kette von Reichweite über Produktentdeckung bis zum messbaren Kauf abzudecken.
Für Marken kann das Creator-Kampagnen leichter messbar und skalierbar machen. Für Creator steigt zugleich die Bedeutung von sauberer Attribution, vertraglichen Regeln und der Frage, welche Plattform tatsächlich die Kundenbeziehung und die Performance-Daten kontrolliert. Genau deshalb werden auch Nutzungsrechte und Vertragsdetails bei Creator-Deals zunehmend wichtiger.
