LinkedIn baut 2026 seine Creator- und B2B-Marketing-Infrastruktur deutlich aus. Der neue Creator Marketplace sitzt direkt im Campaign Manager und soll Marken dabei helfen, passende Fach-Creator zu finden, ihre Inhalte zu prüfen und Kooperationen bis hin zu Thought Leader Ads anzustoßen. Für deutsche Creator gibt es allerdings einen wichtigen Haken: Laut LinkedIn werden Inhalte von Autorinnen, Autoren und Creatorn aus Ländern, die unter den EU Digital Markets Act fallen, derzeit nicht im Creator Marketplace unterstützt.
Damit ist die neue Monetarisierungs- und Discovery-Schiene für Creator in Deutschland aktuell nur eingeschränkt relevant. Gleichzeitig rollt LinkedIn weitere Funktionen aus, die auch hierzulande spannend sind: Collaborative Posts und neue Analytics für In-Network- und Out-of-Network-Reichweite.
Was der LinkedIn Creator Marketplace kann
LinkedIn hat den Creator Marketplace am 10. Juni 2026 offiziell angekündigt. Im Campaign Manager können Werbetreibende Creator nach Themen und Content-Expertise finden, Profile hinsichtlich Zielgruppe und Performance prüfen und vorhandene Posts mit Markenbezug entdecken. Mit Zustimmung des Creators lassen sich geeignete Beiträge anschließend als Thought Leader Ads bewerben.
Für Creator ist der Marketplace als zusätzlicher Monetarisierungskanal gedacht. Eingeladene Accounts können sich über einen Monetization-Bereich sichtbar machen, Kontaktinformationen hinterlegen und auswählen, welche Inhalte Marken sehen sollen. LinkedIn zufolge ist das Programm für Creator derzeit nur für eine ausgewählte Gruppe in den USA und Kanada verfügbar und soll schrittweise erweitert werden.
Für den deutschen Markt ist besonders die zweite Einschränkung entscheidend: In der offiziellen Hilfe für Werbetreibende schreibt LinkedIn, dass Creator-Inhalte aus Ländern, die unter den Digital Markets Act (DMA) fallen, aus Datenschutzgründen aktuell nicht für Discovery und Sponsoring im Creator Marketplace unterstützt werden. Deutsche Creator können damit derzeit nicht einfach über den neuen Marketplace von Marken gefunden und für Thought Leader Ads aktiviert werden.
Für Marken in Deutschland bleibt klassisches Creator-Outreach deshalb vorerst wichtig. Wer B2B-Creator sucht, wird weiterhin stark über bestehende Netzwerke, direkte Ansprache und externe Creator-Datenbanken arbeiten müssen. Dass Plattformen Discovery und Media-Budget enger zusammenführen, passt aber zum größeren Trend im Creator-Marketing 2026.
Collaborative Posts bringen gemeinsame Reichweite in den Feed
Parallel erweitert LinkedIn die organische Zusammenarbeit. Collaborative Posts erlauben es, bis zu fünf weitere Personen oder Pages als Mitwirkende einzuladen. Nach Annahme werden alle Beteiligten am Beitrag ausgewiesen. Die Funktion wird laut LinkedIn derzeit schrittweise ausgerollt und ist noch nicht für alle Accounts verfügbar.
Für B2B-Marketing ist das relevanter als ein gewöhnlicher Tag oder Repost. Produkt-Launches, gemeinsame Studien, Event-Recaps oder Beiträge von Unternehmen und Fachleuten können direkt als gemeinsamer Post veröffentlicht werden. Das kann die bisher häufig getrennte Reichweite von Unternehmensseite und persönlichem Profil stärker zusammenführen.
Gerade weil LinkedIn gleichzeitig stärker gegen Fake-Engagement und KI-Slop vorgeht, dürfte glaubwürdiger Content mit klar erkennbaren Personen hinter einer Marke an Bedeutung gewinnen.
Neue Analytics zeigen Reichweite außerhalb des eigenen Netzwerks
LinkedIn ergänzt außerdem seine Post-Analytics um die Aufteilung In network und Out of network. In-Network steht für Impressionen von Personen, die bereits folgen oder verbunden sind. Out-of-Network zeigt den Anteil der Impressionen von Personen außerhalb dieses bestehenden Netzwerks.
Für Social-Media-Teams ist das eine nützlichere Kennzahl als eine reine Gesamtzahl an Impressionen. Ein Beitrag mit weniger Views kann strategisch wertvoller sein, wenn ein großer Anteil davon neue Zielgruppen erreicht. Umgekehrt zeigt ein sehr hoher In-Network-Anteil, dass Content vor allem die bestehende Community vertieft.
Das lässt sich beispielsweise mit LinkedIns Newsletter-SEO und Evergreen-Content kombinieren: Teams können nicht nur messen, ob Inhalte erneut Reichweite bekommen, sondern zunehmend auch, woher diese Reichweite kommt.
Warum LinkedIn stärker auf Creator setzt
LinkedIn begründet den Ausbau mit wachsender Bedeutung glaubwürdiger Fachstimmen im B2B-Marketing. In einer von YouGov durchgeführten LinkedIn-Studie mit 1.299 B2B-Marketern aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Indien gaben 82 Prozent an, dass Creator die Glaubwürdigkeit bei Entscheiderinnen und Entscheidern erhöhen. LinkedIn nennt außerdem 56 Prozent der B2B-Käufer, die Creator-Input in der letzten Phase des Kaufprozesses zur Validierung von Empfehlungen nutzen.
Die Zahlen stammen aus einer von LinkedIn beauftragten Untersuchung und sollten entsprechend als Plattformdaten eingeordnet werden. Die Produktstrategie dahinter ist trotzdem klar: LinkedIn will Discovery, Creator-Kooperation, organischen Content und bezahlte Distribution stärker in einer eigenen Infrastruktur verbinden.
Für deutsche Marken ist der Marketplace deshalb momentan eher ein Signal für die Richtung als ein vollständig nutzbares Tool. Collaborative Posts und die neuen Reichweiten-Metriken sind dagegen bereits unmittelbar relevant, sobald sie im jeweiligen Account verfügbar sind.
Quellen: LinkedIn Pressroom zum Creator Marketplace, LinkedIn Hilfe: Creator Marketplace, LinkedIn Marketing Solutions: Creator Marketplace im Campaign Manager, LinkedIn Hilfe: Collaborative Posts, LinkedIn Hilfe: Post Analytics, Social Media Examiner.
