The Trade Desk reduziert seine weltweite Belegschaft um rund 15 Prozent. CEO Jeff Green informierte die Mitarbeiter am 3. September 2026; die betroffenen Beschäftigten verlassen das Adtech-Unternehmen am 4. September. Green bezeichnet die Maßnahme als ungewöhnlich für The Trade Desk und begründet sie mit mehr Fokus, kleineren Teams und schnelleren Entscheidungen.
Die Nachricht ist für Werbetreibende und Agenturen relevant, weil The Trade Desk zu den wichtigsten unabhängigen Demand-Side-Plattformen im programmatischen Werbemarkt gehört. Der Stellenabbau fällt zudem in eine Phase, in der das Unternehmen gleichzeitig stärker auf AI, CTV, Retail Media und neue Kokai-Funktionen setzt.
Q2-Wachstum fiel auf 3 Prozent
Der Schritt folgt auf ein deutlich schwächeres zweites Quartal. The Trade Desk erzielte im Q2 2026 einen Umsatz von 715 Millionen Dollar, 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im zweiten Quartal 2025 hatte das Wachstum noch 19 Prozent betragen. Das bereinigte EBITDA sank von 271 auf 241 Millionen Dollar; die entsprechende Marge ging von 39 auf 34 Prozent zurück.
Green betont in seiner veröffentlichten Mitarbeiter-Mail allerdings, dass die Restrukturierung nicht aus akuter finanzieller Not erfolge. Das Unternehmen verfüge über rund 1,5 Milliarden Dollar Cash und keine Schulden. Gleichzeitig sollen Teams künftig stärker in kleineren Pods und Scrums organisiert werden.
Adweek schätzt auf Basis der bisherigen Mitarbeiterzahl, dass die Kürzung ungefähr 585 Stellen betreffen könnte. The Trade Desk selbst nennt in der veröffentlichten Nachricht nur den Anteil von rund 15 Prozent und keine absolute Zahl.
Mehr Fokus auf AI und den „Open Internet“-Ansatz
Die Restrukturierung kommt nur wenige Tage nach der Vorstellung von Kokai Zuma. Das Update bringt agentische AI-Funktionen in die Buying-Plattform und soll Kampagnenänderungen stärker automatisieren. Damit folgt The Trade Desk demselben Trend, den wir im Beitrag über KI im Media Buying und Plattform-Automation beschrieben haben.
Für Media-Teams entsteht daraus eine interessante Spannung: Einerseits automatisieren DSPs immer mehr operative Arbeit, andererseits müssen Anbieter ihre eigenen Kostenstrukturen und Teams neu ordnen. Wie wichtig Kontrolle bei agentischen Systemen wird, zeigt auch unser aktueller Artikel zu Kosten-Audits für KI-Agenten im Media Buying.
Der Programmatic-Markt bleibt unter Druck
The Trade Desk positioniert sich seit Jahren als unabhängige Alternative zu Plattformen, die zugleich Werbeinventar besitzen. Gerade deshalb ist die Entwicklung auch im Kontext der laufenden Adtech-Debatte interessant. Erst diese Woche entschied ein US-Gericht, dass Googles Adtech-Geschäft nicht zerschlagen wird.
Für Advertiser ändert der Stellenabbau kurzfristig nichts an der Plattform selbst. Mittel- bis langfristig wird entscheidend sein, ob The Trade Desk mit weniger Personal tatsächlich schneller entwickelt und gleichzeitig Service, Messung und Produktqualität halten kann.
