TikToks US-Betreibergesellschaft hat im zweiten Quartal 2026 nach eigenen Angaben 14,6 Millionen gefälschte Konten entfernt und die Erstellung von weiteren 64,8 Millionen Spam-Konten verhindert. Zugleich wurden 781,4 Millionen unechte Follower entfernt und 403,2 Millionen verdächtige Follow-Anfragen abgewehrt. Die Zahlen beziehen sich auf die US-Aktivitäten vom 1. April bis 30. Juni 2026, nicht auf TikTok weltweit. Für Creator- und Marketingteams ist die wichtigste Frage, wie viel davon in ihren Reichweiten- und Community-Kennzahlen steckt.
Vier unterschiedliche Zahlen – vier unterschiedliche Vorgänge
Die TikTok USDS Joint Venture veröffentlichte ihren zweiten Bericht zu Plattform-Sicherheit und Community-Richtlinien am 20. Oktober 2026. Die Zahlen zu Konten und Follow-Aktivitäten wurden von Social Media Today anhand des Berichts aufbereitet.
Wichtig ist die Trennung: 14,6 Millionen bezeichnet entfernte Fake-Accounts; 64,8 Millionen steht für bereits bei der Erstellung blockierte Spam-Konten. 781,4 Millionen sind entfernte unechte Follower-Beziehungen, keine 781,4 Millionen einzelnen Menschen oder zusätzlichen Accounts. Hinzu kommen 403,2 Millionen abgewehrte Fake-Follow-Anfragen. Die vier Werte dürfen deshalb nicht zu einer vermeintlichen Gesamtzahl von Fake-Nutzern addiert werden.
Was ist für Werbetreibende tatsächlich messbar?
Fake-Follower können die wahrgenommene Größe einer Creator-Community verzerren. Die Entfernung verändert unter Umständen Followerstände und Verhältniskennzahlen, ohne dass eine echte Zielgruppe verloren geht. Für Brand-Deals reicht die Followerzahl allein daher nicht aus: Marken sollten Reichweite je Veröffentlichung, Herkunft der Zielgruppe, Video-Watchtime, Klick- und Conversion-Daten sowie auffällige Wachstumssprünge zusammen betrachten. Auch ein Engagement-Sprung beweist ohne Kontext weder Betrug noch Qualität.
Die USDS-Zahlen geben keine verlässliche Betrugsquote an: Es fehlen unter anderem geeignete Bezugsgrößen für alle sichtbaren Konten und Follower. Ebenso wenig lässt sich aus höheren Entfernungszahlen allein folgern, dass Spam zugenommen hat. Bessere Erkennung, mehr Angriffe oder Änderungen der Durchsetzung könnten sich gleichzeitig auswirken. Zum Vergleich: Auch LinkedIn geht gegen Fake-Engagement und KI-Slop vor, verwendet aber andere Kategorien und regionale Berichtspflichten.
Einflussnetzwerke sind nicht nur ein Follower-Problem
Laut USDS-Bericht wurden im Quartal außerdem 30 verdeckte Einflussnetzwerke unterbrochen. Dabei entfernte die Plattform mehr als 76.000 Konten und 4,8 Millionen zugehörige Beiträge. Dies betrifft mutmaßlich koordinierte Manipulation von Diskussionen und öffentlicher Meinung und ist von üblichen Anzeigenkennzahlen zu unterscheiden.
Mit Blick auf die US-Midterms hatte TikTok bereits sein Election Mission Control Center und zusätzliche Wahl-Sicherheitsmaßnahmen vorgestellt. Das jüngste Reporting stammt von der seit Januar eigenständig geführten US-Organisation. Für den deutschen TikTok-Markt lassen sich die US-Werte nicht einfach hochrechnen.
Folgerungen für deutsche Social-Teams
Vor einer Creator-Kooperation sollten Unternehmen Kennzahlen über mehrere Zeitpunkte prüfen, ungewöhnliche Followerbewegungen dokumentieren und bezahlte Reichweite von organischer Performance trennen. Beim Einsatz externer Tools gehören auch Zugriffsrechte, Kennzeichnung und Plattformregeln in einen verbindlichen Prüfprozess. Dazu passt unsere Social-Media-Compliance-Checkliste 2026.
Fazit: Der Bericht zeigt, dass TikTok Fake-Engagement in sehr großem Umfang erkennt und bekämpft. Er belegt weder, dass sämtliche Fakes entdeckt wurden, noch dass Followerzahlen grundsätzlich wertlos sind. Für Marken zählt die nachweisbare Qualität und Wirkung einer Community stärker als ihre bloße Größe.
Quellen: TikTok USDS: Q2-Transparenzbericht vom 20. Oktober, Social Media Today: Daten und Einordnung vom 25. Oktober, TikTok USDS: Q1-Bericht vom 30. Juli.
