DoorDash Ads hat seine Incrementality-Messung von der Alliance for Audited Media (AAM) zertifizieren lassen. Die am 2. September 2026 vorgestellte Prüfung betrifft Sponsored Products und Sponsored Brands und soll nachvollziehbarer machen, ob Kampagnen tatsächlich zusätzliche Verkäufe erzeugen – statt nur ohnehin stattfindende Käufe zu attribuieren.
Die Ankündigung fiel auf SHOWCASE, einem neuen Upfront-Format für Retail- und Commerce-Media-Netzwerke in New York. Für Marketer ist vor allem die Kombination relevant: Retail Media wächst nicht nur als Werbekanal, sondern versucht gleichzeitig, seine Messstandards stärker an unabhängige Prüfungen zu koppeln.
AAM prüft Methodik, Daten und Offenlegung
Die AAM hatte ihr neues Incrementality-Zertifizierungsprogramm im Juni gestartet. Geprüft werden unter anderem Messmethoden und Datenquellen, Berechnung und Reporting sowie Transparenz über Annahmen und Einschränkungen. Das Programm orientiert sich laut AAM an den Incrementality-Guidelines von IAB und IAB Europe.
Bei DoorDash umfasste die Prüfung nach Unternehmensangaben die First-Party-Messung für Sponsored Products und Sponsored Brands, inklusive Daten-Governance, Kausaltests, Kennzahlenberechnung und Kundendokumentation.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu klassischem ROAS-Reporting. Gerade bei Commerce Media ist die zentrale Frage nicht nur, ob ein Verkauf nach einer Anzeige stattgefunden hat, sondern ob die Werbung diesen Verkauf zusätzlich verursacht hat.
Ähnliche Fragen stehen auch hinter der FTC-Klage gegen Amazons Werbeauktionen und der breiteren Debatte darüber, wie viel Kontrolle Plattformen über Einkauf, Ausspielung und Messung gleichzeitig besitzen. Bei KI im Media Buying wird dieselbe Forderung nach unabhängiger Kontrolle inzwischen noch wichtiger.
DoorDash veröffentlicht zusätzliche Lift-Daten
Parallel zur Zertifizierung veröffentlichte DoorDash Ergebnisse aus zwei externen Kooperationen. Eine Haushalts-Lift-Studie mit Circana kam bei einer nicht genannten Getränkemarke auf 0,59 US-Dollar zusätzlichen In-Store-Umsatz pro Haushalt; 56 Prozent der über DoorDash erreichten Käufer seien für die Marke zusätzliche Reichweite gegenüber dem stationären Geschäft gewesen.
Eine Analyse mit Ipsos MMA über sechs nationale Quick-Service-Restaurant-Werbekunden kam außerdem zu dem Ergebnis, dass Bestellungen statt Impressions oder Klicks der verlässlichere Input für Marketing-Mix-Modelle seien. Im Mittel hätten 42 Prozent des modellierten Effekts noch in die Folgewoche hineingewirkt.
Diese Werte stammen aus von DoorDash beauftragten beziehungsweise gemeinsam veröffentlichten Studien und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Marken oder Märkte übertragen. Relevant ist weniger die einzelne Zahl als der Versuch, Commerce-Media-Wirkung über externe Partner und standardisierte Prüfungen belastbarer zu machen.
Auch andere Retail-Media-Netzwerke bauen derzeit Messung und Datenzugang aus. So verbindet das Simon Media Network Shoppingcenter-Daten mit Offsite-Werbung, während Ace Hardware sein Retail Media um Programmatic, Creator-Aktivierung und Incrementality-Messung erweitert.
Retail Media bekommt eigene Upfront-Strukturen
SHOWCASE bezeichnet sich als erstes gemeinsames Retail- und Commerce-Media-Upfront. Laut Veranstalter repräsentieren die teilnehmenden Netzwerke zusammen mehr als 12 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz pro Jahr und rund 1 Billion US-Dollar Retail-Umsatz.
Dass Retail Media inzwischen eigene Upfront-Strukturen aufbaut, zeigt, wie stark der Kanal in klassische Media-Planungsprozesse hineinwächst. Gleichzeitig steigt der Druck, Wirkung nicht nur mit plattformeigenen Attributionszahlen zu begründen.
Für Werbekunden dürfte deshalb künftig weniger entscheidend sein, welches Netzwerk den höchsten gemeldeten ROAS zeigt, sondern wie sauber Incrementality, Datenzugang und unabhängige Validierung gelöst sind.
