DoorDash und Instacart bauen ihre Commerce-Daten deutlich weiter aus: Beide Plattformen geben Marken und Händlern neue Einblicke in tatsächliche Regalbestände, Out-of-Stocks und Substitutionen im Laden. Für Retail Media ist das relevant, weil Werbe-, Verkaufs- und Verfügbarkeitsdaten damit enger zusammenrücken.
Adweek ordnet die neuen Funktionen als möglichen nächsten Schritt für Retail-Media-Entscheidungen ein: Marken können nicht nur sehen, ob Kampagnen Verkäufe beeinflussen, sondern zunehmend auch, ob Produkte in den betroffenen Filialen überhaupt verfügbar waren.
DoorDash baut Ads Manager zum Brand Center aus
DoorDash hat am 23. September 2026 offiziell sein neues Brand Center vorgestellt. Die Plattform erweitert den bisherigen Werbebereich um Daten zur physischen und digitalen Warenverfügbarkeit.
Laut DoorDash kombiniert Inventory Insights Bestelldaten mit mehr als einer Million täglich erfassten In-Store-Regalsignalen. Die Daten sollen unter anderem zeigen, wo Produkte fehlen und wie viel Umsatz dadurch schätzungsweise verloren geht.
Hinzu kommen Consumer Substitution Insights. DoorDash sagt auf Basis eigener US-Daten von Januar bis Juni 2026, dass bei nicht verfügbaren Produkten knapp 12 Prozent der Käufer zu einem konkurrierenden Produkt wechseln, während mehr als 40 Prozent eine Erstattung statt eines Ersatzartikels wählen. Das sind Plattformdaten und kein allgemeiner Retail-Benchmark.
Brand Center enthält außerdem Assortment Insights und einen Catalog Editor. Für Marken wird damit sichtbar, wo Produktlistings fehlen, Produktdaten unvollständig sind oder Regalprobleme auftreten. Bestimmte Lücken lassen sich über DoorDash-Merchandising-Aufgaben bis in die Filiale zurückspielen.
Instacart baut einen digitalen Zwilling des Regals
Instacart verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Die am 21. September angekündigten In-Store-Tools sollen Händlern und CPG-Marken eine laufend aktualisierte Sicht auf einzelne Regale und Produkte geben.
Nach Angaben von Instacart erzeugen rund 600.000 Shopper mehr als 10 Millionen Datenpunkte pro Tag. Hinzu kommen historische Bestelldaten und Bilder aus Shopper-Scans sowie Caper Carts mit Arpalus-Computer-Vision.
Das Produkt teilt sich in zwei Bereiche: Inventory Intelligence für Händler und das Store Excellence Portal für Marken. Händler können virtuelle Regalansichten und Bestandsmuster prüfen. Marken erhalten tägliche Store- und SKU-Daten zu geschätzten entgangenen Umsätzen, Substitutionen und potenziellen Out-of-Stock-Risiken.
Der Rollout startet laut Instacart mit ausgewählten Händlern und CPG-Marken; weitere Partner sollen folgen.
Warum diese Daten für Retail Media wichtig werden
Retail Media wurde lange vor allem mit Kaufdaten, Zielgruppen und geschlossenen Werbeplattformen verkauft. Die neue Entwicklung verschiebt den Fokus auf eine zusätzliche Frage: War das beworbene Produkt am Point of Sale überhaupt verfügbar?
Das ist für Attribution wichtig. Ein schwacher Kampagneneffekt kann auf Creative, Targeting oder Preis zurückgehen – aber auch schlicht auf fehlende Ware. Umgekehrt kann Werbung Nachfrage erzeugen, die ein Händler wegen leerer Regale nicht monetarisiert.
Genau deshalb wächst Retail Media inzwischen über klassische Werbe-KPIs hinaus. Unser Überblick zu Retail Media und Brand-Budgets zeigt, warum Messung und Vergleichbarkeit 2026 zu den wichtigsten Baustellen gehören. DoorDash selbst hat seine Incrementality-Messung unabhängig zertifizieren lassen, während Walmart mit Scintilla Daten, KI und Aktivierung enger zusammenführt.
Auch die Full-Funnel-Entwicklung passt dazu: Retail Media wird zunehmend zu einem System aus Media, Commerce, In-Store-Daten und Wirkungsmessung.
Was Marketer daraus mitnehmen können
Für CPG-Marken wird die Trennung zwischen Media-Team, E-Commerce und Field Sales schwieriger. Wenn Werbedruck, Regalverfügbarkeit, Substitution und Umsatz in derselben Datenumgebung sichtbar werden, lassen sich Kampagnen und operative Probleme direkter miteinander verbinden.
Entscheidend bleibt allerdings, Plattformdaten nicht automatisch mit unabhängig gemessener Wirkung gleichzusetzen. DoorDash und Instacart besitzen sehr wertvolle First-Party-Signale, aber Marken sollten weiterhin prüfen, wie vollständig die Abdeckung ist, wie Umsatzverluste geschätzt werden und wie stark Empfehlungen tatsächlich inkrementelle Verkäufe erzeugen.
