35 Prozent der befragten US-Verbraucher verlassen sich wegen der zunehmenden Verbreitung von KI-Inhalten seltener auf Influencer, wenn sie sich vor einem Kauf informieren. Gleichzeitig wollen viele Unternehmen ihre Creator-Budgets weiter ausbauen. Die Zahlen aus einer Gartner-Befragung vom 22. September 2026 und deutschen Branchendaten zeigen vor allem eines: Für Marken wird nicht die Menge an Creator-Content entscheidend, sondern dessen nachweisbarer Nutzen.
Misstrauen gegen KI-Inhalte ist nicht das Ende des Influencer-Marketings
Gartner befragte im Mai und Juni 2026 insgesamt 1.006 Menschen in den USA. 35 Prozent gaben an, wegen KI-generierter Inhalte weniger auf Empfehlungen von Influencern zu setzen. 43 Prozent verlassen sich nach eigener Einschätzung aus demselben Grund stärker auf „echte Menschen“ bei Kaufentscheidungen. 65 Prozent finden, dass Marken zu viele KI-Inhalte produzieren; 57 Prozent berichten von gesunkenem Vertrauen in Markenbotschaften.
Diese Antworten beschreiben Selbsteinschätzungen einer US-Stichprobe, keine gemessenen Umsatzverluste, keinen Rückgang der Followerzahlen und keine repräsentative Aussage über deutsche Verbraucher. Sie zeigen auch nicht, dass jeder KI-Einsatz im Creator-Marketing schadet. KI für Schnitt, Recherche oder Untertitel ist anders zu bewerten als künstlich erzeugte Testimonials ohne erkennbaren Erfahrungshintergrund.
Die aktuelle Branchenanalyse von Marketing Dive vom 28. Oktober beschreibt die Debatte um „Influencer Fatigue“. Der wirtschaftlich wichtigere Befund liegt jedoch im Gegensatz zwischen den Investitionsplänen der Werbekunden und den Vertrauenssignalen der Zielgruppen.
Deutsche Branche erhöht Budgets trotz Druck auf Wirkung und Kosten
Im „State of German Influencer Marketing 2026“ von MAI xpose360 wurden 520 Personen aus Markenunternehmen, Agenturen sowie Creator- und Managementumfeldern befragt. 60 Prozent planen höhere Investitionen, während 85 Prozent wirtschaftlichen Druck wahrnehmen. Als Hürden nennt die Auswertung begrenzte Budgets (80 Prozent), mangelnde Passung zwischen Creator und Marke (70 Prozent) sowie fehlende Messbarkeit und Optimierung (55 Prozent).
Die 520 Antworten sind keine deutsche Verbraucherbefragung. Deshalb lassen sich die deutschen Budgetwerte nicht mit den US-Vertrauensprozenten zu einem gemeinsamen Markttrend verrechnen. Sie zeigen vielmehr zwei getrennte Seiten des Problems: Marketingabteilungen kaufen mehr Creator-Leistung ein, während Glaubwürdigkeit und Nachweis der Wirkung anspruchsvoller werden.
Zum Vergleich: In der bereits ausgewerteten ANA-Studie über Influencer-Messung und Vertragskosten steht die Frage im Mittelpunkt, welche Leistungen Unternehmen tatsächlich einkaufen und überprüfen können.
Drei Prüfsteine für künftige Creator-Kampagnen
Ein sinnvoller Creator-Brief sollte fachliche oder persönliche Erfahrung, den Umgang mit KI-generierten Elementen und die Kennzeichnung von Werbepartnerschaften festhalten. Nicht jeder reichweitenstarke Account passt zur Kategorie: Community-Fragen, Kommentare zum Produkt und der Anteil wiederkehrender Zuschauer können aussagekräftiger sein als eine einzelne Followerzahl.
Ebenso wichtig ist eine vorab vereinbarte Messlogik. Reichweite, Aufrufe und Engagement erfassen Aufmerksamkeit; Trackinglinks, Rabattcodes und Shopdaten zeigen zuordenbare Handlungen. Zusätzliche Verkäufe lassen sich daraus allein aber nicht beweisen. Wo es das Budget erlaubt, helfen Kontrollgruppen, regionale Vergleichstests oder sauber geplante Holdouts. Warum selbst Engagement-Benchmarks nicht ohne Weiteres vergleichbar sind, hängt auch von Plattform, Format und Berechnungsmethode ab.
Schließlich müssen Nutzungsrechte, bezahlte Verstärkung und die Wiederverwendung der Creatives kalkuliert werden. Eine längerfristige Kooperation kann sinnvoller als eine Serie identischer Einmal-Posts sein, sofern sie tatsächlich zur Zielgruppe passt. Die Kantar-Zahlen zur Unsicherheit im Media-Mix verdeutlichen, warum ein einzelner Creator-KPI nicht als Beleg für den Gesamterfolg dienen sollte.
Für deutsche Social-Media-Teams ergibt sich daraus kein pauschaler Rückzug aus Influencer-Marketing. Vielmehr braucht jeder zusätzliche Euro ein nachvollziehbares Ziel: glaubwürdige Empfehlung, überprüfbare Markenwirkung oder messbare Kundenhandlung.
