Die Wellness-Marke Rouge Care hat eine Connected-TV-Kampagne mit KI-Agenten planen und einkaufen lassen. Nach Angaben des Unternehmens flossen im zweiten Quartal 2026 25.000 US-Dollar in die Kampagne; daraus seien mehr als 125.000 US-Dollar zurechenbare Umsätze entstanden. Das entspricht einem gemeldeten ROAS von 5x.
Die Zahlen stammen von Rouge Care und den beteiligten Anbietern und sind nicht als unabhängig geprüfter Benchmark zu verstehen. Spannend ist vor allem der Workflow: Die Kampagne wurde über Klever Programmatic und PubMatics AgenticOS umgesetzt, wobei spezialisierte Agenten unterschiedliche Schritte des Media Buyings übernahmen.
Ein Agent plant, ein anderer kauft
Adweek beschreibt den Aufbau als Zwei-Agenten-System für Planung und Einkauf. Klever bestätigt den Case auf seiner eigenen Website und nennt einen Ziel-ROAS von 2,5x, der mit 5x übertroffen worden sei.
PubMatic beschreibt AgenticOS als Betriebssystem, in dem KI-Agenten Kampagnen planen, ausführen und optimieren können, während Menschen Ziele, Guardrails und kreative Vorgaben festlegen. In seinen offiziellen Q2-Zahlen meldete das Unternehmen bis Ende Juni 2026 mehr als 80 vollständig autonome End-to-End-Kampagnen weltweit.
Das unterscheidet sich von klassischer Automatisierung: Nicht nur einzelne Gebote oder Budgets werden algorithmisch angepasst, sondern mehrere Arbeitsschritte werden als eigenständige Aufgaben an Agenten verteilt.
Warum der Case für Media Buyer relevant ist
Der Fall zeigt, wohin sich programmatisches Media Buying bewegt. Viele Plattformen bauen derzeit Systeme, in denen Kampagnen nicht mehr ausschließlich über Formulare und Dashboards gesteuert werden. Stattdessen werden Ziele in natürlicher Sprache definiert und anschließend von Agenten in Planung, Targeting, Einkauf und Optimierung übersetzt.
Das passt zu einem größeren Trend, den wir bereits im Artikel KI im Media Buying: Warum Plattform-Automation Kontrolle braucht eingeordnet haben. Je stärker Systeme selbst entscheiden, desto wichtiger werden unabhängige Messung, klare Guardrails und nachvollziehbare Attribution.
Auch Social-Plattformen bewegen sich in dieselbe Richtung. TikTok verbindet im Agentic Hub und Symphony KI-Funktionen mit Analyse, Creative-Produktion und Kampagnenarbeit. Reddit hat seine automatisierten Max Kampagnen inzwischen für alle Advertiser geöffnet.
Der 5x-ROAS braucht Kontext
Ein hoher gemeldeter ROAS klingt spektakulär, sagt aber allein wenig über die Übertragbarkeit aus. Entscheidend sind unter anderem Zielgruppe, Produktmarge, Attribution, Creative, Laufzeit und die Frage, welche Verkäufe tatsächlich durch die Kampagne verursacht wurden.
Im Rouge-Care-Case nennt Adweek eine Awareness-Kampagne im zweiten Quartal 2026. Die Marke beziffert den zurechenbaren Umsatz auf mehr als 125.000 Dollar bei 25.000 Dollar Spend. Dass diese Zahlen von den Beteiligten selbst stammen, sollte bei der Bewertung berücksichtigt werden.
Für Marketer ist deshalb weniger die konkrete 5x-Zahl entscheidend als der operative Beleg: Agentische Systeme werden nicht nur als Demo präsentiert, sondern bereits in realen CTV-Kampagnen eingesetzt.
Agentic Media Buying wird vom Experiment zum Produkt
PubMatic verweist auf weitere Live-Kampagnen in Europa. Im Juni 2026 meldete das Unternehmen etwa eine spanische CTV-Kampagne mit Havas und Telefónica, bei der AgenticOS eingesetzt wurde; laut PubMatic lag der CPM dort 18 Prozent unter dem Zielwert.
Damit wird deutlich, dass sich der Markt von einzelnen KI-Features zu kompletten agentischen Workflows bewegt. Für Agenturen und Inhouse-Teams verschiebt sich die Arbeit dadurch stärker in Richtung Zieldefinition, Datenqualität, Freigaben und Kontrolle der Ergebnisse.
