TikTok steigt tiefer in die Produktion fiktionaler Creator-Serien ein. Die Plattform entwickelt gemeinsam mit Made By Us Studios neue Microserien für TikTok und die eigene Drama-App PineDrama. Die am 14. Oktober 2026 bei MIPCOM vorgestellte Kooperation ist mehr als ein klassischer Influencer-Auftrag: Creator sollen Hauptrollen übernehmen und bereits bei Drehbuch, Produktion und Entwicklung mitarbeiten.
Creator werden Teil des Studios, nicht nur Werbegesichter
Im offiziellen TikTok-Newsroom sind zwei erste Produktionen benannt. Im Rachethriller Player spielt Hannah Stocking die Hauptrolle, arbeitet an der Geschichte mit und ist Executive Producer. The Knock entsteht unter Regie von R. H. Stavis mit Adam Rose und Zaria Simone vor der Kamera. Moby liefert die Musik. Starttermine und die Länge der Serien werden in der Ankündigung nicht angegeben.
Made By Us ist die Produktionssparte der Creator-Management-Firma Made By All. Das Unternehmen hatte den Studiostart im Mai selbst angekündigt. Der Wechsel vom einzelnen gesponserten Post zur professionellen Serienproduktion verändert die wirtschaftliche Rolle von Talenten. Sie können an der Entwicklung eines Formats beteiligt sein, statt nur eine bestehende Markenbotschaft zu verbreiten. Wem welche Verwertungsrechte gehören und wie Einnahmen verteilt werden, ist für die neue Kooperation allerdings nicht öffentlich beziffert.
Der Feed wird zum Serienkanal
TikTok testet dieses Modell bereits: Gemeinsam mit Issa Raes Produktionsfirma HOORAE brachte das Unternehmen im April die Microserie Screen Time auf TikTok und PineDrama. In der damaligen Mitteilung beschrieb TikTok das Angebot als kostenlos und werbefinanziert. Im Oktober meldet die Plattform für Screen Time fast 580 Millionen Views weltweit. Das ist eine unternehmenseigene Aufrufzahl, keine Angabe zu eindeutigen Zuschauern, Gewinn oder Bindung über mehrere Folgen.
Die Entwicklung passt zum Boom kurzer fiktionaler Reihen. Eine von Snapchat und Ipsos veröffentlichte Studie zu Short Dramas untersucht deren Verbreitung in den USA, Großbritannien und Saudi-Arabien. Daraus lässt sich aber keine deutsche Zuschauerquote ableiten. Wie sich die Formate aus Marketingsicht bewerten lassen, haben wir bereits bei den Microdrama-Kampagnen und offenen ROI-Fragen eingeordnet.
Was Marken aus der Kooperation mitnehmen können
Für Marketer liegt der interessante Punkt weniger in den prominenten Namen als in der eigenständigen Serien-IP: Eine wiedererkennbare Handlung und Figuren schaffen mehrere Kontaktpunkte, die unabhängig von einzelnen Trendclips funktionieren können. Das verlangt aber Drehbuch, Produktionsbudget, Rechteklärung und eine sinnvolle Auswertung der Zuschauer über mehrere Folgen. Unsere Anleitung zu episodischem Social Content behandelt die redaktionelle Seite solcher Formate.
Nicht jede Marke muss deshalb selbst eine fiktionale Serie produzieren. Auch der Unterschied zwischen Creator-Produktion und gekaufter Distribution bleibt relevant. TikToks Kooperation zeigt vorerst vor allem, dass die Plattform stärker in die Entwicklung und exklusive Verbreitung professioneller Geschichten investiert. Eine allgemeine Öffnung dieses Produktionsmodells für Werbekunden oder einen Deutschlandstart der neuen Serien hat TikTok nicht zugesagt.
