Im internationalen Agenturgeschäft wird neu sortiert: Stagwell bündelt sein Mediageschäft unter einer Marke, Havas baut internationale Reichweite mit Horizon auf und Carat positioniert seine Planung stärker über Beratung und messbare Wirkung. Für Marken entsteht damit eine größere Auswahl jenseits der traditionellen Großnetzwerke. Entscheidend ist aber, was hinter einer Agenturpräsentation tatsächlich an Technologie, Datenzugang und Verantwortung steckt.
Stagwell macht aus verstreuten Media-Einheiten ein Angebot
Am 6. Oktober 2026 stellte Stagwell die neue Marke Stagwell Media vor. Die bisherige Assembly-Struktur wird damit in ein gemeinsames internationales Angebot überführt. Nach Unternehmensangaben ist die neue Organisation in mehr als 50 Märkten vertreten.
Die technische Klammer heißt The Media Machine. Stagwell hatte das System bereits im Juni als KI-gestützte Media-Plattform mit mehr als 20 spezialisierten Agenten vorgestellt. Diese sollen etwa Planung, Optimierung und Auswertung unterstützen. Für Kunden wird wichtiger, welche Aufgaben automatisiert sind und wie sich Ergebnisse selbst überprüfen lassen.
Die operative Neuordnung haben wir bereits im Detail unter Stagwell Media und der Media Machine beschrieben. Der größere Trend: Aus zahlreichen Einzelangeboten soll eine einfach einkaufbare Leistung werden.
Havas kauft sich Reichweite nicht nur durch Übernahmen
Havas verfolgt einen anderen Weg. Die 2025 angekündigte Partnerschaft mit Horizon Media soll internationale Kunden über ein gemeinsames Netzwerk erreichen. Horizon Global wurde bei der Ankündigung mit rund 20 Milliarden US-Dollar Media-Billings und Präsenz in 100 Ländern beschrieben. Die beiden Partner bleiben dabei eigenständige Unternehmen.
Parallel wächst Havas durch Zukäufe. Laut den Ergebnissen vom 14. Oktober 2026 stieg der Nettoerlös im dritten Quartal um 7,2 Prozent, davon 2,4 Prozent organisch. Auch in Deutschland baut die Gruppe ihr Angebot aus. Woher das Wachstum kommt, zeigt unsere Analyse der Havas-Quartalszahlen.
Für internationale Social-Kampagnen kann die Mischung interessant sein: ein zentraler Ansprechpartner, aber spezialisierte Teams für lokale Märkte und Kanäle.
Carat verkauft einen Unterschied, nicht nur Reichweite
Bei Dentsu setzt Carat stärker auf den Anspruch, Mediaplanung von standardisierten Buchungsabläufen abzuheben. Die Agentur erläuterte ihr Konzept Difference Engineered im Oktober-Interview zur Kampagne. Dahinter steht die Frage, welche Medienkontakte tatsächlich einen Beitrag leisten und wie Zielgruppen jenseits bloßer Reichweitenoptimierung erreicht werden.
Gerade im Paid-Social-Geschäft, wo Plattformen zahlreiche Optimierungsentscheidungen ohnehin automatisieren, muss eine Agentur ihren Mehrwert bei Dateninterpretation, Creative-Strategie und Experimenten zeigen. Die Grenzen vollautomatischer Buchung haben wir am Beispiel von Carat und Tinuiti untersucht.
Drei Fragen für den nächsten Agentur-Pitch
Wer Media-, Creator- oder Social-Etats vergibt, sollte sich nicht allein von Netzwerkgröße und KI-Demos beeindrucken lassen. Drei Nachweise helfen bei der Auswahl: Welche Rohdaten und Messmethoden erhält die Marke? Wer genehmigt Änderungen an Budget, Targeting und Creatives? Und welches konkrete Ergebnis schuldet die Agentur vertraglich?
Damit wird auch die Vergütung neu verhandelbar. Unsere Auswertung der WFA-Studie zu Agenturhonoraren zeigt, warum definierte Leistungen und Output-Modelle gegenüber der reinen Stundenabrechnung gewinnen.
Die eigentliche Konkurrenz der Agenturgruppen findet inzwischen zwischen Arbeitsmodellen statt: Wer kann internationale Kampagnen verbinden, lokale Relevanz liefern und seine Wertschöpfung transparent nachweisen?
Quellen: Digiday, 19. Oktober 2026 · Stagwell, 6. Oktober 2026 · Havas, 14. Oktober 2026 · Carat, Oktober 2026
