Frauen im Profisport werden zunehmend selbst zu Creatorn – nicht nur für zusätzliche Reichweite, sondern als eigenes Geschäftsmodell. Ein aktueller Bericht von Digiday zeigt, wie Athletinnen Social Media gezielt für Personal Brand, Sponsoring und langfristige Einnahmen einsetzen. Besonders sichtbar wird der Trend beim Accelerator Snap the Gap von Snapchat und TOGETHXR.
Snap the Gap geht in die zweite Runde
TOGETHXR und Snapchat haben im August 2026 die zweite Kohorte des Programms vorgestellt. Acht Athletinnen aus Tennis, Basketball, Volleyball, Boxen, Hockey, Fußball und Gymnastik erhalten strategische Beratung, Produktionsressourcen und Mentoring für ihre Arbeit als Creator.
Die erste Kohorte veröffentlichte laut TOGETHXR innerhalb von drei Monaten mehr als 14.000 Snap Stories und 524 Spotlights. Zusammen kamen über 16 Millionen Story-Views und 26 Millionen Spotlight-Views zustande. TOGETHXR beziffert das durchschnittliche Follower-Wachstum der teilnehmenden Snap Stars über das Kohortenjahr auf 1.491 Prozent. Die Programmzahlen stammen aus der gemeinsamen Mitteilung von TOGETHXR und Snapchat und sind keine unabhängig geprüfte Marktstudie.
Digiday nennt zusätzlich konkrete Beispiele aus der ersten Runde: Die Fußballerin Michelle Alozie steigerte ihre Snapchat-Follower innerhalb von drei Monaten von 127.000 auf 204.000. Bei anderen Teilnehmerinnen fiel das relative Wachstum wegen deutlich kleinerer Ausgangsreichweiten noch größer aus. Umsatzdaten aus dem Programm wurden nicht veröffentlicht.
Der Wert liegt nicht nur im Sport-Content
Interessant ist, welche Inhalte funktionieren. Alozie erklärte gegenüber Digiday, dass nicht nur große Sportmomente Reichweite erzeugen. Auch Alltag, Popkultur und persönliche Interessen können neue Zielgruppen erschließen. Genau das erweitert die kommerzielle Position einer Athletin: Marken müssen sie nicht ausschließlich als Sport-Testimonial buchen, sondern können sie auch in Beauty-, Fashion-, Lifestyle- oder Travel-Kontexten einsetzen.
Das passt zu einem breiteren Trend im Sportmarketing. Bei CarMax und der WNBA verschiebt sich Sponsoring bereits in Richtung Influencer- und Personal-Brand-Training. Wonderful Pistachios baut für die Saison 2026/27 ein Social-first-Roster mit College-Athleten auf. Und bei Creator-Marketing allgemein wird zunehmend darüber diskutiert, wie Reichweite, Wirkung und ROI standardisiert gemessen werden können.
Für Marken entsteht ein anderer Sponsoring-Ansatz
Klassische Sportpartnerschaften kaufen vor allem Sichtbarkeit rund um Teams, Ligen und Events. Creator-getriebene Athlete Deals funktionieren anders: Die einzelne Person baut ein eigenes Publikum auf, produziert regelmäßig Content und kann Marken unabhängig vom Spielplan integrieren.
Für Werbetreibende ergeben sich daraus drei praktische Konsequenzen. Erstens wird die eigene Kanalstärke der Athletin wichtiger als reine Bekanntheit. Zweitens sollten Briefings genug Raum für persönliche Themen lassen, weil gerade diese Inhalte neue Zielgruppen erschließen können. Drittens braucht es eine längerfristige Content- und Messlogik statt einzelner Sponsor-Posts.
Creator-Reichweite wird Teil der Karriereplanung
Für Athletinnen ist Social Media damit mehr als Promotion für den nächsten Wettkampf. Eine eigene Audience kann zusätzliche Partnerschaften ermöglichen, Einkommen diversifizieren und nach dem Ende der aktiven Karriere weiterbestehen.
Der aktuelle Snap-the-Gap-Jahrgang zeigt deshalb weniger einen einzelnen Plattformtrend als eine strukturelle Verschiebung: Sportlerinnen werden nicht nur von Marken als Reichweite eingekauft. Sie bauen selbst Medienmarken auf – und bringen damit Sport, Creator Economy und Markenkooperationen immer enger zusammen.
