Die Creator Economy wächst 2026 weiter kräftig, gleichzeitig geraten Influencer-Preise und die wirtschaftliche Logik vieler Brand Deals stärker unter Druck. Digiday sieht Anzeichen für eine mögliche Korrektur: Marken investieren weiter, wollen Honorare aber zunehmend enger an messbare Ergebnisse koppeln.
Der Widerspruch ist deutlich. Das IAB erwartet für den US-Markt 2026 rund 43,9 Milliarden US-Dollar Creator-Werbeausgaben, nach 37,1 Milliarden Dollar 2025. Gleichzeitig zeigt eine von Digiday zitierte Befragung von 1.000 Marketing- und Procurement-Verantwortlichen: 50 Prozent bewerten Creator-Honorare falsch, 40 Prozent glauben, zu viel bezahlt zu haben.
Das Problem ist nicht fehlendes Geld, sondern fehlende Preislogik
Creator-Marketing ist inzwischen ein fester Bestandteil vieler Mediapläne. Laut IAB betrachteten bereits 2025 fast die Hälfte der Creator-Ad-Buyer Creator als "Must Buy". Trotzdem fehlen dem Markt weiterhin gemeinsame Messstandards, einheitliche Währungen und belastbare Benchmarks für den Wert einzelner Creator.
Genau daraus entsteht ein Preisproblem: Ein Creator kann Reichweite, Markenwirkung, Verkäufe, Community-Vertrauen und wiederverwendbaren Content gleichzeitig liefern. Diese Leistungen werden aber oft mit sehr unterschiedlichen Metriken bewertet.
Das IAB beschreibt die fehlende Standardisierung deshalb als strukturelles Hindernis für weiteres Wachstum. Neue Measurement-Currency-Guidelines für Influencer-Marketing sollen laut Digiday nun im Oktober 2026 erscheinen.
Automatisierung erhöht den Druck auf einzelne Creator
Parallel wird Creator-Auswahl zunehmend automatisiert. Agenturen und Plattformen nutzen KI und große Creator-Datenbanken, um passende Accounts schneller zu identifizieren, Kampagnen aufzusetzen und Ergebnisse vorherzusagen.
Das senkt die Transaktionskosten für Marken, kann aber auch die Verhandlungsmacht einzelner Creator schwächen. Wenn Unternehmen mit deutlich mehr Creatorn gleichzeitig arbeiten können, wächst das verfügbare Angebot schneller. Honorare geraten dann unter Druck, sofern die Werbenachfrage nicht mindestens im gleichen Tempo steigt.
Für Creator wird deshalb wichtiger, nicht nur Views anzubieten, sondern nachweisbare Zielgruppenqualität, Conversion-Daten, Markenfit und wiederholbare Performance. Wie unterschiedlich direkte Plattformerlöse ausfallen, zeigt auch unser Überblick zu YouTube, TikTok, Instagram & Co. und ihren Creator-Auszahlungen.
Für Marken wird Creator-Auswahl datengetriebener
Für Marketer bedeutet die Entwicklung nicht, dass Creator-Marketing an Bedeutung verliert. Im Gegenteil: Die Budgets wachsen weiterhin. Wahrscheinlicher ist eine Professionalisierung ähnlich anderer digitaler Werbekanäle.
Kampagnen dürften stärker nach vergleichbaren Leistungswerten geplant werden. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von First-Party-Daten, Attribution und klar definierten Kampagnenzielen. Diese Entwicklung passt zu einem breiteren Trend im digitalen Marketing: Auch Plattformen wie Snapchat investieren stärker in vereinheitlichte Attribution für Werbekampagnen, während neue Werbeumfelder wie ChatGPT Ads rasch eigene Performance-Infrastruktur aufbauen.
Für Creator wiederum wird langfristige Markenbindung wertvoller als eine möglichst hohe Zahl austauschbarer Einzeldeals. Je besser ein Creator konkrete Wirkung belegen kann, desto weniger austauschbar wird dessen Reichweite.
