Der US-Werbemarkt wächst 2026 stärker als zu Jahresbeginn erwartet – und ein immer größerer Teil der Budgets wird von automatisierten Kampagnensystemen gesteuert. Das IAB hat seine Prognose für das Wachstum der US-Werbeausgaben von 9,5 auf 12,3 Prozent angehoben. Parallel schätzt Madison & Wall, dass bereits 12 Prozent der US-Werbeausgaben über KI- beziehungsweise stark automatisierte Kampagnentypen wie Googles Performance Max oder Metas Advantage+ laufen.
US-Werbeprognose steigt deutlich
Wie Digiday berichtet, führt das IAB die höhere Prognose unter anderem auf starke Werbeinvestitionen rund um die Olympischen Winterspiele und die Fußball-Weltmeisterschaft zurück. Die ursprüngliche Januar-Prognose hatte noch bei 9,5 Prozent gelegen. Das IAB-Update vom 10. September 2026 basiert auf Angaben von mehr als 200 Entscheidern auf Marken- und Agenturseite.
Auch andere Prognosen sehen einen robusten Markt, allerdings mit unterschiedlichen Definitionen und Abgrenzungen. Madison & Wall erwartet laut Digiday für 2026 weltweit rund 11 Prozent Wachstum und mehr als 1,3 Billionen Dollar Werbeausgaben. WPP Media prognostizierte im Juni 8,9 Prozent Wachstum auf 1,3 Billionen Dollar, wobei US-Politwerbung ausgeschlossen wird. Solche Zahlen sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar.
12 Prozent der US-Budgets laufen bereits über KI-Kampagnen
Interessanter als die reine Marktgröße ist die Verschiebung beim Einkauf. Madison & Wall beziffert den Anteil KI-gesteuerter Werbung 2026 auf 12 Prozent eines US-Marktes von 479 Milliarden Dollar ohne Politwerbung. 2023 sollen es erst 2 Prozent gewesen sein. Bis 2030 erwartet die Beratung 158 Milliarden Dollar beziehungsweise 27 Prozent des US-Werbemarkts.
Gemeint ist dabei nicht einfach jede Kampagne, bei der irgendwo ein Algorithmus mitarbeitet. Die engere Definition umfasst Systeme, die wesentliche Teile von Targeting, Bidding, Budgetallokation, Platzierung und Optimierung weitgehend selbst übernehmen; Adobe fasst die zugrunde liegende Madison-&-Wall-Definition ebenfalls in diesem Sinn zusammen. Such- und Social-Werbung treiben diese Entwicklung besonders stark.
Das passt zu der Entwicklung, die bereits bei Meta Ads 2026 sichtbar ist: Plattformen automatisieren nicht nur Aussteuerung und Gebote, sondern zunehmend auch Creative-Produktion und Attribution. Auch Snapchat setzt beim Werbewachstum auf generative KI und stärkere Automatisierung.
Warum andere KI-Prognosen viel höher wirken
Die Definition ist entscheidend. Dentsu erwartet in seinem aktuellen Global Ad Spend Forecast, dass bis 2028 bereits 75 Prozent der weltweiten Werbeausgaben algorithmisch beeinflusst werden. Das widerspricht den 27 Prozent von Madison & Wall nicht: Dentsu zählt breiter und erfasst Ausgaben, bei denen Algorithmen wesentlich an der Kaufentscheidung beteiligt sind. Madison & Wall betrachtet eine engere Form weitgehend automatisierter Kampagnensteuerung.
Für Marketer ist genau diese Unterscheidung wichtig. „KI-Werbung“ kann heute sowohl einen automatisch optimierten Meta- oder Google-Buy als auch Werbung in einem KI-Produkt wie ChatGPT meinen. Letzteres ist noch ein deutlich kleinerer Markt. ChatGPT Ads haben inzwischen zwar eine annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde Dollar erreicht, liegen aber weit unter den Budgets, die bereits durch automatisierte Kampagnensysteme klassischer Plattformen laufen.
Social, CTV und Commerce wachsen besonders schnell
Laut der von Digiday zitierten IAB-Prognose soll Social-Media-Werbung in den USA 2026 um 16,5 Prozent wachsen. Für Connected TV werden 15,6 Prozent und für Commerce Media 13,6 Prozent erwartet. Genau diese Kanäle sind stark daten- und optimierungsgetrieben und eignen sich daher besonders für automatisierte Aussteuerung.
Für Werbetreibende verschiebt sich damit die operative Aufgabe. Weniger Zeit fließt in manuelles Mikromanagement von Geboten und Zielgruppen; wichtiger werden saubere Conversion-Signale, belastbare Messung, Creative-Qualität und klare Grenzen dafür, welche Entscheidungen die Plattform selbst treffen darf. Die Blackbox wird nicht kleiner – aber ein größerer Teil des Budgets läuft durch sie.
