Andrew Robertson ist neuer CEO von Omnicom Advertising. Der langjährige BBDO-Manager übernimmt mit sofortiger Wirkung von Troy Ruhanen, der nach mehr als 20 Jahren in Führungsrollen bei Omnicom in den Ruhestand geht. Der Personalwechsel kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt: Omnicom bezeichnet die Integration seiner Advertising-Sparte nach der Übernahme von Interpublic inzwischen als abgeschlossen.
Robertson übernimmt nach der großen Agentur-Konsolidierung
ADWEEK berichtet, dass Ruhanen seinen Abschied gemeinsam mit Omnicom-CEO John Wren bereits länger geplant hatte, den Zeitpunkt aber wegen der Interpublic-Übernahme und des Aufbaus der neuen Advertising-Struktur verschoben hatte.
Omnicom schloss die Übernahme von Interpublic am 26. November 2025 ab. Die kombinierte Gruppe kam damals auf mehr als 25 Milliarden Dollar Pro-forma-Umsatz. In der Kreativsparte bündelt Omnicom heute unter anderem BBDO, McCann und TBWA sowie mehrere spezialisierte Agenturen. Laut offizieller Omnicom-Mitteilung arbeiten in Omnicom Advertising mehr als 20.000 Menschen weltweit.
Für den Agenturmarkt ist der Wechsel deshalb mehr als eine normale Personalie: Robertson übernimmt eine deutlich stärker konsolidierte Organisation als die klassischen Netzwerkstrukturen, die die Branche lange geprägt haben.
Kreativität soll mit Omni, Daten und KI verzahnt werden
Robertson formuliert seine Priorität ungewöhnlich klar. Omnicom wolle einen überproportionalen Anteil der besten kreativen und strategischen Talente gewinnen und diese über Omni mit KI-gestützten Werkzeugen und Daten ausstatten. Wren betont zugleich, dass Kreativität im Zentrum bleiben solle, während AI- und Technologie-Fähigkeiten ausgebaut werden.
Das passt zur größeren Holding-Strategie. Nach der Interpublic-Übernahme positioniert Omnicom seine Plattform Omni als gemeinsame Schicht für Daten, Identität, Media, Commerce und generative KI. Damit ähnelt die Richtung dem Umbau anderer großer Netzwerke: Auch WPP versucht, Agenturstrukturen zu vereinfachen und KI stärker in das Betriebsmodell zu integrieren.
Der entscheidende Wettbewerb verschiebt sich damit. Große Agenturgruppen verkaufen nicht mehr nur kreative Leistungen oder Media-Einkauf, sondern zunehmend eine Kombination aus Talent, Datenzugang, Technologie, Produktion und Aktivierung.
Was der Wechsel für Werbekunden bedeutet
Für Marken ist vor allem relevant, wie stark einzelne Agenturmarken künftig noch eigenständig arbeiten und wie viel über gemeinsame Plattformen organisiert wird. Omnicom verspricht weiterhin unterschiedliche kreative Marken, bündelt aber Investitionen in Technologie und Daten auf Holding-Ebene.
Das kann Skalenvorteile schaffen, erhöht aber auch die Bedeutung von Governance: Werbekunden sollten genau verstehen, welche Daten, Modelle und Produktionssysteme über mehrere Agenturen hinweg eingesetzt werden und wo tatsächlich unabhängige Teams arbeiten.
Der Markt bewegt sich ohnehin in diese Richtung. PepsiCo hat sein globales Media-Geschäft gerade bei Publicis gebündelt, während Publicis mit LiveRamp und Nielsen mit DoubleVerify ihre Daten- und Measurement-Infrastruktur ausbauen. Die Grenzen zwischen Agentur, Adtech, Datenplattform und Produktionssystem werden dadurch unschärfer.
Der eigentliche Test beginnt jetzt
Ruhanen verlässt Omnicom Advertising nach Abschluss der ersten Integrationsphase. Robertson muss nun zeigen, ob aus der Größe tatsächlich ein schnelleres und besseres Arbeitsmodell entsteht – und ob die angekündigte Verbindung aus Kreativität, Daten und KI für Kunden mehr ist als Holding-Sprache.
Für deutsche Marketingteams ist der Wechsel deshalb vor allem ein Signal für die nächste Phase der Agentur-Konsolidierung: Die großen Netzwerke versuchen, mehr Leistungen in gemeinsamen Technologie- und Datenstrukturen zu bündeln, ohne die kreative Eigenständigkeit ihrer Marken vollständig aufzugeben.
Quellen: ADWEEK, Omnicom – Leadership Transition, Omnicom – Abschluss der Interpublic-Übernahme
