X erweitert sein Transparenz-Tool „Under the Hood“. Nutzer können dort jetzt sehen, ob die Sichtbarkeit eines Accounts oder einzelner Posts wegen lokaler Gesetze eingeschränkt wurde. Außerdem zeigt der Bericht, ob Inhalte in einem bestimmten Land nach einer rechtlichen Aufforderung zurückgehalten wurden – und welches Land betroffen war.
Die Erweiterung wurde am 19. September 2026 vom offiziellen X-Open-Source-Account angekündigt und anschließend unter anderem von Social Media Today und TechCrunch bestätigt.
Was „Under the Hood“ jetzt zusätzlich zeigt
X hatte das Tool im August 2026 eingeführt. Bereits damals konnten Nutzer nachvollziehen, ob bestimmte Labels auf ihrem Account oder ihren Posts lagen, die sich auf die algorithmische Sichtbarkeit auswirken können.
Neu ist nun die rechtliche Ebene. Der herunterladbare Bericht soll zusätzlich ausweisen, ob eine Sichtbarkeitsbegrenzung durch die Einhaltung lokaler Gesetze ausgelöst wurde. Das umfasst laut X auch Fälle, in denen ein Post in einem Land zurückgehalten wurde.
Die Funktion steht laut X für Accounts zur Verfügung, die mindestens ein Jahr alt sind und im vorherigen Monat mindestens zehn Posts veröffentlicht haben.
Das erklärt nicht jeden Reichweitenverlust
Für Creator und Marken ist die zusätzliche Transparenz hilfreich – sie löst aber nicht automatisch jedes Reichweitenrätsel.
Ein Rückgang kann weiterhin viele Ursachen haben: normale Schwankungen im Empfehlungsalgorithmus, Nutzerinteressen, Labels aus X-eigenen Richtlinien, geringere Follower-Aktivität oder schlicht schwächere Performance eines Posts. „Under the Hood“ macht jetzt nur einen weiteren Teil dieser Ursachen sichtbar.
Gerade deshalb lohnt sich der Vergleich mit den normalen Performance-Daten. In unserem Überblick zur Creator-Monetarisierung auf Plattformen zeigen wir, wie stark Reichweite und Einnahmen inzwischen von Plattformregeln abhängen. Und unser Threads-vs.-X-Vergleich ordnet ein, wie unterschiedlich Reichweite und Nutzung zwischen den beiden Textplattformen verteilt sind.
Für deutsche Accounts ist die neue Anzeige besonders relevant
X muss in unterschiedlichen Märkten auf unterschiedliche rechtliche Anforderungen reagieren. Für Nutzer war bisher oft schwer erkennbar, ob ein Post wegen einer Plattformregel, eines Ranking-Signals oder einer gesetzlichen Vorgabe weniger sichtbar war.
Die neue Kennzeichnung schafft zumindest für gesetzlich bedingte Einschränkungen mehr Kontext. Sie ist damit auch für europäische Accounts interessant, weil Plattformen hier zusätzlich unter dem Digital Services Act und nationalen Rechtsvorgaben operieren.
Unser Beitrag zum Nutzerrückgang von X in der EU zeigt, warum regulatorische Transparenz für die Plattform ohnehin zunehmend relevant wird.
Was Social-Media-Teams praktisch tun sollten
Wer X professionell nutzt und plötzliche Reichweiteneinbrüche sieht, sollte nicht nur Impressionen vergleichen, sondern auch den Under-the-Hood-Bericht prüfen. Sinnvoll ist besonders die Kombination aus:
- Sichtbarkeits- und Label-Daten aus Under the Hood,
- regulären X-Analytics,
- Veränderung der aktiven Follower-Basis,
- und dem Vergleich mehrerer Posts statt eines einzelnen Ausreißers.
Die neue Funktion ist damit kein Ersatz für Analytics, sondern eine zusätzliche Diagnoseebene. Der wichtigste Fortschritt ist, dass rechtlich verursachte Sichtbarkeitsbeschränkungen nicht mehr vollständig im Dunkeln bleiben müssen.
