Das IAB Tech Lab hat die öffentliche Kommentierungsfrist für AAMP 3.0 und OpenProposal auf den 10. November 2026 verlängert. Die aktualisierte offizielle Mitteilung nennt den neuen Termin ausdrücklich; im älteren Fließtext steht noch die ursprüngliche Frist vom 22. Oktober. Für Agenturen ist die Frage dahinter wichtiger als der Termin: Können KI-Agenten Werbeinventar künftig transparenter vergleichen, ohne dass die Kosten und Kontrolle des Einkaufs verschwinden?
Was OpenProposal tatsächlich standardisieren soll
Die am 22. September 2026 veröffentlichte Version AAMP 3.0 ergänzt die bestehenden IAB-Standards um OpenProposal. Anbieter sollen ihre Werbepakete maschinenlesbar beschreiben und auf Briefings antworten können. Auf Käuferseite können Agenten Angebote entdecken, vergleichen und hinsichtlich Zielgruppe, Laufzeit, Format und Bedingungen prüfen.
Das ist die Phase vor dem eigentlichen Kauf. Bestehende Standards wie OpenDirect, AdCOM und die Deals API bleiben für Vertrag und Ausführung relevant. Das IAB verspricht damit kein neues universelles Werbenetzwerk und auch nicht die Abschaffung sämtlicher DSPs. Die technische Übersicht des IAB Tech Lab stellt zudem Referenz-SDKs für Käufer- und Verkäuferagenten sowie ein Agentenregister bereit.
Warum kleinere Agenturen gerade auf die Gebühren schauen
Der Handlungsdruck lässt sich an einer Digiday-Diskussion vom 27. Oktober erkennen: Unabhängige US-Agenturen beklagen Zugangs- und Vermittlungskosten etablierter Demand-Side-Plattformen, darunter The Trade Desk und Amazon DSP. Die Aussagen sind Erfahrungsberichte, keine unabhängig geprüfte, für alle Kunden geltende Gebührentabelle.
Offene Angebotsformate können die Suche und Vorprüfung neuer Inventarquellen erleichtern. Ob am Ende tatsächlich weniger Provisionen, günstigere CPMs oder bessere Kampagnenergebnisse entstehen, ist damit nicht bewiesen. Ein KI-Agent kann sogar zusätzliche Kosten verursachen, wenn Plattformgebühr, Dienstleister-Marge, Datenkosten und Modellbetrieb nebeneinander bestehen.
Fünf Prüfpunkte statt Autopilot
Ein sinnvoller Agentur-Pilot sollte die Herkunft jedes Angebots dokumentieren und vier Größen getrennt ausweisen: Netto-Mediapreis, Plattform- und Reseller-Gebühren, Daten-/Technologiekosten sowie tatsächliche Leistungskennzahlen. Hinzu kommen ein menschlicher Freigabepunkt vor verbindlicher Buchung, Consent- und Brand-Safety-Prüfungen sowie eine nachvollziehbare Protokollierung jeder Preisänderung. Ohne diese Regeln wird aus schnellerem Einkauf nicht automatisch besserer Einkauf.
Das IAB Tech Lab beschreibt ausdrücklich technische Schutzmechanismen gegen Doppelbuchungen bei wiederholten Agentenaufrufen. Gerade solche unspektakulären Kontrollregeln sind für den produktiven Einsatz entscheidend.
Auch unser Bericht über CNNs geplanten Anzeigenverkauf über KI-Agenten zeigt, dass reale Einsätze erst anlaufen. Welche Rolle klassische Einkaufsplattformen behalten, illustriert Pinterests Programmatic-Anbindung. Bei den Auktionsmechanismen lohnt außerdem der Blick auf Prebids Vorschlag für den Adserver-Markt.
Einordnung: AAMP 3.0 ist ein Standardisierungsangebot mit laufender Konsultation, kein Nachweis, dass vollautonomes Media Buying heute branchenweit funktioniert.
