39 Prozent Wachstum im Connected-TV-Geschäft bei Magnite, 55 Prozent Umsatzplus bei AppLovin – aber zweistellige Rückgänge bei anderen Werbetechnik-Anbietern. Die Quartalszahlen für Juli bis September 2026 zeigen, dass digitales Werbegeld höchst unterschiedlich ankommt. Für Media-Teams wird deshalb wichtiger, welche Umgebung ein Partner vermarktet und wie er seinen Erfolg misst.
Dahinter stehen zwei besonders dynamische Felder: Performance-Werbung in mobilen Anwendungen und programmatisch buchbare Werbung im Streaming-TV. Klassische Open-Web-Inventare stehen gleichzeitig unter Druck.
Connected TV wächst – aber nicht bei jedem Anbieter gleich
Der Vermarkter Magnite meldete am 4. November für das dritte Quartal 204,2 Millionen US-Dollar Umsatz, 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders interessant ist seine Kennzahl Contribution ex-TAC, also die Erlöse nach Abzug der Traffic-Akquisitionskosten: Im Connected-TV-Bereich stieg sie um 39 Prozent auf 105,4 Millionen Dollar. CTV machte damit rund 53 Prozent der gesamten Contribution ex-TAC aus.
Damit ist Streaming-Werbung bei Magnite kein kleines Zukunftsprojekt mehr, sondern der wirtschaftliche Schwerpunkt. Für Marken bedeutet das mehr programmatisch erschließbares Inventar, das ähnliche Steuerungs- und Messfragen wie Online-Werbung aufwirft – bei einem deutlich anderen Nutzungskontext.
Die Bewegung passt zur zunehmenden Bedeutung von CTV in großen Kampagnen. Bei den US-Midterms 2026 überholte CTV die Kabel-TV-Werbung bereits deutlich. Das macht Reichweite, Frequenz und Überschneidung mit Social Video zu Fragen für denselben Mediaplan.
AppLovin zeigt, wie profitabel Mobile Performance sein kann
Noch schneller wächst AppLovin: Laut den offiziellen Q3-Zahlen erzielte das Unternehmen 2,185 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 55 Prozent. Der Nettogewinn stieg um 72 Prozent auf 1,439 Milliarden Dollar. Wettbewerber Unity kam auf 622 Millionen Dollar Umsatz und damit 32 Prozent Wachstum; seine werberelevante Grow-Sparte erreichte 457 Millionen Dollar.
App-basierte Werbeumfelder profitieren von Performance-Optimierung, direktem Zugang zu Nutzern und automatisierter Aussteuerung. Das Interesse vieler Werbetreibender verschiebt sich dabei von einer möglichst günstigen Impression zur Frage, wo sich inkrementelle Kunden und Käufe tatsächlich erzielen lassen.
Hier liegen Chancen für App-Anbieter und E-Commerce-Marken, aber auch ein Planungsrisiko: Eine Kampagne, die in einer Gaming-App gut funktioniert, ersetzt nicht automatisch eine Markenbotschaft in einem redaktionellen Umfeld.
Retail Media und Open Web zeigen die andere Seite
Bei Criteo sank der Umsatz im dritten Quartal um 11 Prozent auf 416 Millionen Dollar, obwohl das über die Plattform abgewickelte Werbevolumen um 9 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar stieg. Im Retail-Media-Geschäft betrug der Rückgang 23 Prozent; nach Unternehmensangaben belasteten Veränderungen bei zwei Kunden das Geschäft um rund 20 Millionen Dollar. Das ist für Media-Einkäufer ein Hinweis darauf, wie stark einzelne Handels-Partnerschaften die Ergebnisse eines Werbetechnik-Anbieters beeinflussen können.
Teads meldete mit 235,1 Millionen Dollar ein Umsatzminus von 26 Prozent. Zwar wuchs dessen CTV-Sparte laut Unternehmensangaben um 37 Prozent, ihr Anteil von 12 Prozent am Quartalsumsatz reichte aber noch nicht aus, die Schwäche des übrigen Geschäfts auszugleichen. Der hohe Quartalsverlust wurde zudem durch eine erhebliche Wertminderung belastet. Die Zahlen sprechen damit nicht einfach für oder gegen einen Kanal, sondern zeigen sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle und Ausgangslagen.
Drei Fragen für die nächste Mediaplanung
Wer jetzt Partner und Budgets prüft, sollte nicht allein auf die Wachstumsrate einer Adtech-Firma schauen. Zuerst zählt, welches Inventar eingekauft wird: Mobile App, offenes Web, Händlerdaten oder CTV. Danach kommen Messgrößen wie Umsatz nach TAC, Inkrementalität, Aufmerksamkeit und tatsächliche Ergebnisse. Drittens lohnt sich der Blick auf Datenzugang und Transparenz – besonders, wenn Algorithmen Inventar und Zielgruppen automatisch optimieren.
Wie schnell auch beim Streaming begriffliche Standards zum Problem werden, zeigt unsere Analyse zu uneinheitlichen CTV-Genre-Tags. Neue Attention-Targeting-Ansätze für CTV sind eine Antwort auf den Wunsch nach besseren Qualitätsindikatoren.
Quellen: Magnite-Q3-Bericht vom 4. November 2026, AppLovin-Q3-Bericht, Criteo-Q3-Bericht, Teads-Q3-Bericht, Branchenvergleich von Digiday.
