Dr. Martens macht den Schriftzug „With Bouncing Soles“ zur zentralen Markenidee. Seit 1960 steht die Formulierung auf der Fersenlasche der berühmten Boots. Mit der globalen Herbstkampagne 2026 wird daraus eine Einladung an Trägerinnen und Träger, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Für die Motive stehen unter anderem Chloë Sevigny, Naomi Watanabe und Jordan Stephens vor der Kamera.
Aus einem unscheinbaren Produktdetail wird so ein wiederverwendbares Kreativsystem für Social Content, Kooperationen, Handel und Community-Events. Die am 24. September gestartete Kampagne ist Teil einer größeren Markenauffrischung.
Warum ein alter Schriftzug plötzlich die bessere Idee ist
Wer den Schuh kennt, kennt auch seine gelbe Fersenlasche. Darauf steht „With Bouncing Soles“ – ursprünglich ein Hinweis auf die luftgepolsterte Sohle. In der aktuellen Kampagne spielt Dr. Martens mit sole (Sohle) und soul (Seele) und fragt: „What makes your sole bounce?“
Statt einen neuen Claim zu erfinden, aktiviert die Marke damit etwas, das bereits Millionen Menschen am eigenen Schuh tragen. Die zentrale Idee funktioniert als Gesprächsfrage, Videotitel, Eventthema und Verbindung zwischen Produkt und Persönlichkeit.
Global Brand Creative Director Neil Cummings beschreibt in einem Interview mit Brand Innovators vom 9. Oktober die Plattform ausdrücklich als langfristig. Sie soll Produktentwicklung, Handel, Partnerschaften und lokale Community-Arbeit verbinden – nicht nach einer Saison verschwinden.
Drei sehr unterschiedliche Gesichter statt eines einheitlichen Looks
Chloë Sevigny, Comedian Naomi Watanabe und Musiker Jordan Stephens verkörpern verschiedene Szenen, Altersgruppen und Stile. Im offiziellen Porträt der Kampagne erzählen sie, was ihre Kreativität antreibt. Die Schuhmodelle bleiben sichtbar, aber die Persönlichkeit der Träger steht im Mittelpunkt.
Das passt zum Produkt: Die aktuelle Crazy-Horse-Lederkollektion entwickelt beim Tragen eine individuelle Patina. Dr. Martens nutzt diese Materialeigenschaft als Metapher dafür, dass sich Schuhe durch das Leben ihrer Besitzer verändern.
Begleitet wird die Kampagne laut Retail Gazette durch lokale Formate wie Workshops, einen Fanzine-Abend, Poesie und Community-Veranstaltungen. Die Marke verkauft damit nicht nur eine Ästhetik, sondern schafft Anlässe, bei denen Menschen selbst Teil der Erzählung werden.
Rebranding mit konkreten Kontaktpunkten
Hinter den Bildern steckt ein umfangreicherer Umbau. Dr. Martens überarbeitet visuelle Identität, Typografie, Onlineshop und ausgewählte Ladenkonzepte. Brand Innovators nennt unter anderem neue oder umgestaltete Markenstandorte in München, Paris, New York und Los Angeles.
Das ist entscheidend für die Wirkung: Ein Markenversprechen kann auf Instagram Neugier erzeugen, muss sich beim Besuch im Shop, beim Produkt und in der Community wiederfinden. Die neue Plattform soll genau diese Übergänge konsistent gestalten.
Was Marketer daraus lernen können
Dr. Martens zeigt, wie sich historische Markenelemente in ein zeitgemäßes Content-System übersetzen lassen. Der stärkste Hebel ist nicht Nostalgie allein, sondern die Verbindung aus wiedererkennbarem Symbol, offenen Fragen an die Community und realen Aktivitäten. Marken können daraus mehrere Formate ableiten, ohne jedes Mal eine neue Kampagnenwelt zu erfinden.
Ähnliche, aber anders gelagerte Marken-Neustarts zeigen Sonos mit seinem emotionalen Audio-Claim und McAfee mit einer neuen Vertrauensbotschaft. Wie Musik und Markenidentität ineinandergreifen, veranschaulicht zudem die Free-People-Kooperation mit WILLOW.
Über die Markenstrategie berichtete zuvor auch Adweek. Die Details zu Gesichtern, Sortiment und Community stammen ergänzend direkt von Dr. Martens und aus dem Interview mit dem Kreativverantwortlichen.
