Googles KI-Suche bekommt mehr Werbung – und Deutschlands Werbekunden können den neuen AI-Mode-Werbeplatz vorerst nicht gezielt buchen. Am 28. Oktober 2026 kündigte Google die Ausweitung von Anzeigen im AI Mode auf zehn weitere Märkte und sogenannte Multiturn-Anzeigen in den USA an. Gleichzeitig meldete Alphabet ein schwächeres Wachstum des klassischen Suchgeschäfts. Für Media-Teams ist entscheidend, wie sich Werbeausspielung, Steuerung und Messung in der KI-Suche tatsächlich ändern.
Die Zahlen: mehr Suchanfragen, aber langsameres Umsatzwachstum
Laut Alphabets Quartalsbericht vom 28. Oktober erzielte Google Search & other im dritten Quartal 63,35 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr. Im zweiten Quartal waren es noch 17 Prozent Wachstum. Der gesamte Google-Werbeumsatz lag bei 82,01 Milliarden Dollar, während der Konzernumsatz durch das starke Cloud-Geschäft um 25 Prozent auf 127,58 Milliarden Dollar wuchs.
Google meldet zugleich den höchsten jährlichen Zuwachs an Suchanfragen seit fünf Jahren, ohne die konkrete Wachstumsrate offenzulegen. Im Earnings Call bestätigte das Management, dass Anfragen im AI Mode derzeit geringer monetarisiert werden. Als weitere Einflussfaktoren nannte es unter anderem Währungseffekte und eine Normalisierung der Medien- und Unterhaltungsnachfrage nach einem außergewöhnlich starken Vorquartal.
Daraus folgt nicht, dass die Zahl der Suchanfragen sinkt oder KI-Suche sämtliche Werbeumsatzprobleme verursacht. Die Herausforderung ist vielmehr, aus neuen Suchsituationen einen ähnlich tragfähigen Erlös pro Nutzung zu erzielen.
Was Google am 28. Oktober wirklich freigeschaltet hat
Die offizielle Google-Ankündigung nennt Australien, Kanada, Indien, Kenia, Malaysia, Neuseeland, Nigeria, Pakistan, die Philippinen und Singapur als neue Märkte für die Ausweitung. Brasilien, Mexiko und Großbritannien sind für später im vierten Quartal vorgesehen. Deutschland steht nicht auf der neuen Liste. Laut Google-Ads-Hilfe werden Anzeigen innerhalb von AI Overviews und AI Mode gegenwärtig in englischer Sprache und ausgewählten Ländern ausgespielt. Das ist nicht dasselbe wie klassische Suchanzeigen ober- oder unterhalb einer KI-Übersicht, die breiter verfügbar sind.
Neu sind in den USA außerdem Multiturn-Anzeigen: Gesponserte Angebote können nicht nur zur ersten Suchanfrage, sondern auch zu einer späteren Nachfrage innerhalb derselben KI-Unterhaltung erscheinen. Google zufolge sind AI-Mode-Anfragen im Durchschnitt dreimal so lang wie gewöhnliche Suchanfragen. Die Suchmaschine kann Anzeigen dabei auch auf Basis der KI-Antwort und des Gesprächskontexts zuordnen.
Für Advertiser ist die Messlücke wichtiger als die neue Oberfläche
Laut Googles Hilfe sind bestehende Search-, Shopping- und Performance-Max-Kampagnen bei passender Ausrichtung automatisch für KI-Werbeumfelder qualifiziert; ein separates AI-Mode-Budget ist nicht erforderlich. Ausschließlich den AI Mode zu buchen oder ihn isoliert auszuschließen, ist derzeit nicht möglich. Kennzahlen zu Impressionen, Klicks, Kosten und Conversions fließen aggregiert in normale Kampagnenberichte ein. Ein sauberer isolierter Performance-Vergleich „klassische Suche gegen AI Mode“ lässt sich daraus folglich nicht einfach ablesen.
Google behauptet, die Klickraten gesponserter und organischer Produktlisteneinträge innerhalb des AI Mode seien bereits ähnlich. Grundlage sind interne US-Daten aus August und September 2026. Diese Aussage ist kein Beleg für identische Conversion Rates, inkrementellen Umsatz oder dieselbe Leistung wie klassische Suchanzeigen. Für deutsche Unternehmen mit US- oder anderen englischsprachigen Zielmärkten sind deshalb Conversion-Werte, Warenkorbqualität und regionale Kampagnenvergleiche relevanter als isolierte CTR-Versprechen.
Auch die Creative-Kontrolle verändert sich: Google kann sogenannte AI Explainers neben Anzeigen generieren, die Kontext zur Produktempfehlung liefern. Werbetreibende dürfen diese Texte laut Hilfe nicht selbst verfassen, genehmigen oder gesondert deaktivieren. Landingpages, Produktdaten und Markenkonsistenz werden dadurch zu einer messbaren Qualitätsfrage.
Was deutsche Marketing- und Commerce-Teams jetzt prüfen sollten
Wer nur in Deutschland auf Deutsch wirbt, sollte keine vermeintliche Einführung von AI-Mode-Anzeigen in Deutschland aus dieser Meldung ableiten. Wer international wirbt, sollte die Länder- und Sprachfreigaben getrennt von den übrigen Suchanzeigen kontrollieren, Merchant-Center-Daten aktuell halten und die Wirkung anhand echter Geschäftsabschlüsse bewerten. Unsere Analyse zur Verlagerung von Media-Budgets durch AI Search erklärt, warum frühere Recherchephasen mehr Gewicht erhalten. Wie Händler ihre Daten für KI-Oberflächen aufbereiten, zeigt der Bericht zu Merchant Center und KI-Sichtbarkeit.
Das Thema reicht über Google hinaus: AI-Shopping bei Google, ChatGPT und Amazon folgt unterschiedlichen Empfehlungs- und Kaufmodellen. Und die Ausweitung der ChatGPT-Werbung zeigt, dass die Konkurrenz um werbefinanzierte KI-Antworten bereits eine eigene Plattformökonomie bildet. Ob dieser Wandel Werbekunden tatsächlich zusätzliche Käufer bringt, müssen belastbare Kampagnentests zeigen.
Quellen: Alphabet Q3 2026 / SEC, 28. Oktober, Google Ads & Commerce, 28. Oktober, Google Ads Help: Anzeigen in KI-Ergebnissen, Earnings-Call-Transkript, 28. Oktober sowie Reuters zur Umsatzentwicklung, 28. Oktober.
