Ein hoher Return on Ad Spend kann eine erfolgreiche Kampagne zeigen – oder einfach Käufe zählen, die ohnehin stattgefunden hätten. Genau diese Unterscheidung rückt Liquid Death mit dem US-Promotionsanbieter Ibotta in den Mittelpunkt. In einem am 3. November 2026 veröffentlichten Gespräch bei Adweek erläutern Liquid-Death-Mediachef Benoit Vatere und Ibotta-Gründer Bryan Leach, warum Marken digitale Coupons besser nach zusätzlichen Verkäufen als allein nach zugerechnetem Umsatz bewerten sollten.
Das Thema reicht weit über die Getränkemarke hinaus: Retail Media wächst in Social Ads, Streaming, Supermarkt-Apps und stationäre Filialen hinein. Für Marketingabteilungen wird damit die Frage wichtiger, ob ein Angebot tatsächlich neue Nachfrage erzeugt oder lediglich den ohnehin geplanten Warenkorb rabattiert.
Der Praxistest: 19 Prozent zusätzlicher Absatz in 18 Tagen
Den konkreten Zahlenkern liefert ein 18-tägiger LiveLift-Pilot, den Ibotta bereits am 3. November 2025 veröffentlichte. Bei einer neuen Produktlinie von Liquid Death meldete der Anbieter 19 Prozent inkrementellen Sales Lift, 23 Prozent mehr täglich verkaufte Einheiten und einen 63 Prozent kürzeren Kaufzyklus. Während des Tests wurden Promotions nach laufenden Signalen angepasst, statt bis zur nächsten Quartalsauswertung zu warten.
Diese Werte stammen aus der gemeinsamen Fallstudie von Ibotta und Liquid Death. Sie beschreiben den damaligen Pilotversuch, nicht eine neue Kampagne im November 2026.
Interessant ist weniger das spektakulärste Prozentzeichen als die Kennzahl dahinter: Cost per Incremental Dollar (CPID). Sie fragt, wie viel Werbe- und Promotionbudget eingesetzt werden muss, um einen Dollar zusätzlichen Umsatz zu erzeugen. Marken, die Rabatte finanzieren, erhalten damit einen anderen Blick auf den Margeneffekt als mit einer simplen Umsatz-zu-Ausgaben-Quote.
Wie man Verkäufe misst, die sonst nicht passiert wären
Ein Klick auf einen Coupon kann ein echtes Kaufsignal sein. Er kann aber auch von einer Kundin stammen, die das Produkt längst kaufen wollte. Deshalb braucht Inkrementalitätsmessung einen Vergleich: etwa möglichst vergleichbare Gruppen mit und ohne Promotion, deren tatsächliche Käufe gegenübergestellt werden.
Ibotta arbeitet dafür auch mit Circana zusammen. Die Unternehmen kündigten im September 2025 gemeinsame Household-Lift-Studien an: Untersucht wird das Kaufverhalten exponierter und nicht exponierter Haushalte, auch über den Aktionszeitraum hinaus. Die unabhängige Messkomponente soll die Aussagekraft plattformeigener Erfolgsreports verbessern.
Bei der Budgetentscheidung bedeutet das: Eine Rabattaktion mit enormem ROAS, aber wenigen zusätzlichen Käufen, kann wirtschaftlich schwächer sein als eine Aktion mit niedrigerem ROAS und hohem inkrementellem Deckungsbeitrag. Der Adweek-Podcast vom 3. November 2026 zeigt, warum Liquid Death das Problem inzwischen als laufende Steuerungsaufgabe versteht.
Warum das gerade für deutsche Marketer wichtig ist
In Europa verlangt auch die Standardisierung eine präzisere Sprache. Die Commerce-Media-Messstandards von IAB Europe definieren Inkrementalität, vereinheitlichen Brutto- und Nettoumsatz und sehen standardmäßig ein 30-Tage-Attributionsfenster mit flexiblen Alternativen vor. Das erleichtert Vergleiche, wenn Budgets auf mehrere Händler, Netzwerke und Kanäle verteilt sind.
Für die Praxis heißt das: Wer eine Retail-Media-Promotion einkauft, sollte Kontrollgruppe, Warenkorbwirkung, Neukundenanteil, Rabattkosten und tatsächlich zusätzliche Marge vorab als Erfolgskriterien festhalten. Ein Dashboard mit Klicks und zugeschriebenen Umsätzen reicht dafür nicht.
Liquid Death arbeitet parallel auch an einer schnelleren, KI-gestützten Kampagnensteuerung – darüber haben wir bereits berichtet. Der neue Messungsblick ergänzt diese operative Entwicklung: Schnellere Entscheidungen sind besonders wertvoll, wenn die Kennzahl das richtige Geschäftsproblem beschreibt.
Weitere Einordnung liefern unsere Berichte zu Retail-Media-Messstandards und Markenwirkung sowie Lowe’s und unabhängiger Inkrementalitätsmessung.
Quellen: Adweek, 03.11.2026; Ibotta/Liquid Death, Fallstudie vom 03.11.2025; Ibotta/Circana, Mitteilung vom 30.09.2025; IAB Europe, Commerce-Media-Standards.
