Der Teppichhersteller Ruggable verschiebt Werbegeld von klassischen Performance-Anzeigen hin zu Creator-Kooperationen. Marketingchefin Lauren Sherman-Kaoud sagte gegenüber Digiday am 16. Oktober 2026, dass das Unternehmen seit August des Vorjahres etwa zehn Prozent seines gesamten Marketingbudgets aus Performance-Kanälen in Maßnahmen wie Creator-Marketing und Connected TV verlagert habe.
Die entscheidende Frage für andere Marken ist dabei nicht, ob Influencer grundsätzlich mehr verkaufen als Meta-Anzeigen. Sie lautet, welchen Teil des Creator-Geschäfts man als messbaren Vertriebskanal führen kann und welchen als langfristigen Markenaufbau.
Affiliate-Creator und Markenbotschafter haben verschiedene Aufgaben
Ruggable nutzt ShopMy vor allem für zahlreiche provisionsbasierte Kooperationen. Laut der Unternehmensvertreterin sind Hunderte Creator beteiligt. Diese können Produkte in ihrem eigenen Umfeld präsentieren und über Affiliate-Links Verkäufe zurechenbar machen. Größere Partnerschaften mit Persönlichkeiten wie Dan Pelosi dienen parallel längerfristigen Markenkooperationen und eigenen Produktprojekten.
Ruggable nennt dafür einen konkreten Budgetwechsel: Mehr als eine Million US-Dollar wurden aus Meta-Performance-Werbung herausgenommen und in ShopMy-Creator investiert. Die Marke will den Anteil der stärker markenorientierten Maßnahmen 2027 weiter ausbauen. Die absoluten Gesamtausgaben wurden nicht veröffentlicht.
Diese Aufteilung erklärt, warum Creator-Marketing nicht mehr nur als PR-Sonderbudget organisiert wird. Das entspricht auch der breiteren Entwicklung zu langfristigen Creator-Partnerschaften und wiederverwendbaren Inhalten. Für kleinere Marken ist entscheidend, die beiden Ziele in Briefings, Budgets und Kennzahlen zu trennen.
Drei Millionen Dollar Umsatz sind noch kein Nachweis für zusätzliche Käufe
Ruggable berichtete für den ersten Monat mit ShopMy von ungefähr drei Millionen US-Dollar Umsatz, der dem Kanal zugeschrieben wurde. Die folgenden Monate lagen nach Angaben der Marketingchefin noch höher. Diese Zahlen waren allerdings schon im Mai im Rahmen eines Branchengesprächs bei ClickZ öffentlich, nicht erst in der aktuellen Budgetmeldung.
Ob die Bestellungen ohne Creator-Kontakt ebenfalls stattgefunden hätten, bleibt offen. Die offizielle ShopMy-Hilfe beschreibt die übliche Last-Click-Zuordnung: Der letzte anrechenbare Affiliate-Klick vor dem Kauf erhält den Credit. Das macht einen Verkauf messbar, beweist aber nicht, dass ein Creator den Kauf zusätzlich erzeugt hat.
Für den Vergleich mit Meta-Kampagnen fehlen unter anderem die gesamten Provisionen, Plattformkosten, Produktionskosten und eine Kontrollgruppe. Die publizierten Umsätze sind deshalb weder ein ausgewiesener Gewinn noch eine belastbare Kennzahl für inkrementellen Return on Ad Spend. Eine gute Messstrategie muss unterscheiden zwischen zugerechnetem Umsatz, Neukundenanteil und tatsächlich zusätzlichem Geschäft. Unser Überblick über Social-Media-KPIs für Leads und Umsatz behandelt diese Trennung ausführlicher.
Warum ShopMy mehr als Links verwaltet
Die Plattform bündelt neben Affiliate-Links auch Produktgeschenke, bezahlte Kooperationen, Rabattcodes und direkte Kommunikation mit Marken. Die ShopMy-Dokumentation beschreibt außerdem die Möglichkeit, Creator-Inhalte als bezahlte Meta-Werbung zu verstärken. Das ist eine allgemeine Plattformfunktion, kein Nachweis dafür, dass Ruggable genau dieses Format einsetzt.
Ruggable selbst bewirbt auf seiner britischen Creator-Seite ausdrücklich längerfristige Beziehungen zu Interior-, Lifestyle-, Eltern- und Haustier-Creatorn. Das verdeutlicht den Unterschied zwischen einem kurzfristig provisionsgetriebenen Link und einem Partner, der die Marke über viele Inhalte hinweg prägt.
Der Trend berührt auch den Wert von Creator-Unternehmen und Affiliate-Netzwerken. Die Übernahme des Creator-Geschäfts von Howl durch Connexity zeigt, dass die dafür nötige Infrastruktur selbst zum Geschäft wird. Für Marketingteams bleibt der praktische Prüfstein: eine Kooperation danach bewerten, welche Verkäufe ihr zugeordnet wurden, und getrennt messen, wie viel zusätzlicher Absatz sie wirklich gebracht hat.
