Snapchat will die Snap Map stärker als Werbeumfeld für lokale Geschäfte etablieren. Eine am 15. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung von Snap, eye square und Horizon zeigt: Die soziale Karte wird zum Entdecken von Orten genutzt, ersetzt klassische Navigationsdienste aber nicht. Für deutsche Händler und Veranstalter ist vor allem die Unterscheidung zwischen gefunden werden, Besuchsabsicht und tatsächlichem Ladenbesuch relevant.
Eine Karte erfüllt zwei verschiedene Aufgaben
Für die Studie wurden nach Angaben der Unternehmen mehr als 17.000 Menschen zwischen 13 und 44 Jahren in den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Saudi-Arabien befragt. Während klassische Karten für Routen und konkrete Ziele genutzt werden, dient die Snap Map auch dem Austausch mit Freunden und der Suche nach interessanten Orten.
In der offiziellen Auswertung geben 76 Prozent der befragten Snap-Map-Nutzer an, dort nach dem Standort ihrer Freunde zu schauen. 27 Prozent nutzen sie zur Verabredung. In der veröffentlichten Studiengrafik nennen jeweils 29 Prozent Snapchat als Werkzeug zum Auffinden angesagter Einkaufsorte beziehungsweise bevorzugen die Snap Map gegenüber klassischen Navigationsdiensten beim Stöbern nach Geschäften, Restaurants oder lokalen Events.
Das ist eine Ergänzung zur lokalen Suche, kein Nachweis dafür, dass Google Maps überflüssig wird. Der ebenfalls von Snap genannte Wert von „2,9-mal häufiger“ vergleicht die Entdeckung beliebter Geschäfte auf Snapchat ausdrücklich mit anderen Social-Plattformen, nicht pauschal mit Google Maps.
Werbewirkung ist nicht gleich gemessener Kundenbesuch
Snap untersuchte außerdem Promoted Places, also bezahlte Ortsmarkierungen auf der Karte. Für den Vergleich mit gesponserten Pins auf Navigationskarten kamen laut Studienbeschreibung ein Testumfeld mit mehr als 11.000 Personen und anschließende Befragungen von 2.100 Menschen zum Einsatz.
Die Teilnehmer fanden Snapchats Ortswerbung im Test häufiger auffällig und klickinteressant. 71 Prozent erklärten, sie wären offen für einen Besuch, nachdem sie einen gesponserten Pin gesehen haben. Diese Aussage beschreibt geäußerte Bereitschaft, keine gemessene zusätzliche Zahl von Ladenbesuchen oder Käufen.
Auch für Deutschland werden in der veröffentlichten Zusammenfassung keine getrennten Effektwerte ausgewiesen. Wer eine Kampagne daraus ableitet, sollte daher nicht globale Befragungsergebnisse als deutsche Conversion-Raten behandeln. Die Frage ähnelt anderen Messproblemen im Social Advertising, die wir bei Snapchats Unified Attribution behandeln: Ein Kontaktsignal ist noch kein sicher zugerechneter Geschäftserfolg.
Was lokale Marken praktisch testen können
Für Cafés, Läden, Clubs oder Veranstaltungen kann ein Ortspin mit Öffnungszeiten, Eventhinweisen und einer klaren Wegbeschreibung nützlich sein. Die Studie nennt Informationen zu Veranstaltungen, Neueröffnungen und Anfahrtswegen als besonders erwünschte Anzeigeninhalte. Die Botschaft muss unmittelbar zu dem Ort passen, den jemand gerade erkundet.
Ein sinnvoller Test trennt drei Ziele: Sichtbarkeit eines Standorts, Interaktion mit dem Pin und nachvollziehbare Besuche. Für den letzten Schritt braucht es eine belastbare Methode, etwa klar definierte Aktionen oder geeignete Messpartner, statt nur Klicks und geäußerte Absichten zu vergleichen.
Lokales Marketing sollte zugleich nicht auf eine einzige Kartenplattform verengt werden. Google entwickelt mit Promoted Pins in Maps und neuen Anzeigenwegen einen stärker transaktionsorientierten Gegenpol. Snapchat verbindet dagegen Ortsentdeckung mit Kontakten unter Freunden. Für die operative Umsetzung lohnt auch ein Blick darauf, wie Snapchat andere Commerce-Anzeigenformate ausbaut.
Die neue Erhebung liefert damit eine plausible Rolle für Social Maps im Marketingmix. Ob ein zusätzlicher Snap-Map-Etat wirtschaftlich sinnvoll ist, muss jedoch die eigene Kampagnenmessung zeigen.
