Target prüft zusätzliche digitale Werbedisplays in seinen US-Filialen, hat aber keinen Ausbau angekündigt. Das berichtete Adweek nach einer Roundel-Veranstaltung für Werbepartner im Oktober 2026. Für Marken ist die interessantere Entwicklung zunächst eine andere: Target nutzt bereits die App und den mobilen Onlineshop als Werbefläche während des Einkaufs im Geschäft.
Ein Smartphone kann die Werbefläche im Laden sein
Laut Jenny Holleran, Vice President bei Targets Werbeeinheit Roundel, sehen 60 Prozent der Kunden, die im Geschäft die Target-App oder mobile Website nutzen, dort Anzeigen. Wichtig ist der Nenner: Die Aussage gilt für diese mobile Teilgruppe, nicht für 60 Prozent sämtlicher Ladenbesucher.
Roundel nennt unabhängig davon auf seiner offiziellen Website eine weitere Kennzahl: 76 Prozent der Target-Kunden würden im Laden online browsen, basierend auf einer unternehmenseigenen Erhebung. Das misst ein anderes Verhalten und ist nicht direkt mit dem Anteil der erreichten App-Nutzer vergleichbar. Laut Roundel zählt Target außerdem über 30 Millionen Ladenbesuche pro Woche – eine Reichweitenangabe des Unternehmens, keine Kampagnenmessung.
Für Werbekunden ergibt sich damit ein bereits vorhandener Kontaktpunkt zwischen Produktrecherche und Regalentscheidung. Roundel bietet unter anderem gesponserte Produkte auf Target.com und in der App sowie Social-, Display-, Connected-TV- und andere Platzierungen an.
Warum Target mit zusätzlichen Screens zögert
Nach den Aussagen auf der Partnerveranstaltung würde Target fest installierte digitale Werbeflächen nur erwägen, wenn sie das Einkaufserlebnis nicht stören. Weder eine feste Zahl neuer Bildschirme noch ein Rollout-Termin oder ein neuer Werbetarif wurden genannt. Bereits bestehende Service-Hubs oder andere Bildschirme sind kein Beleg für eine neue flächendeckende Werbeinfrastruktur.
Die Überlegung unterscheidet sich von einem simplen „mehr Screens gleich mehr Reichweite“. Kundinnen und Kunden könnten zusätzliche Werbedisplays ignorieren oder als störend empfinden, während eine Anzeige im selbst verwendeten Einkaufsgerät in einem anderen Kontext erscheint. Ob das zu höheren Umsätzen führt, muss gemessen werden.
Worauf deutsche Retail-Media-Kunden achten sollten
Entscheidend ist zunächst inkrementelle Reichweite: Wie viele zusätzliche Menschen erreichen feste Displays gegenüber App, Web und bestehenden In-Store-Platzierungen tatsächlich? Zweitens müssen Werbekontakt, Warenkorb und Kauf möglichst datenschutzkonform und methodisch nachvollziehbar zusammengeführt werden. Drittens sollte ein Experiment die Wirkung gegen eine vergleichbare Kontrollgruppe messen statt aus Sichtkontakten automatisch zusätzlichen Umsatz abzuleiten.
Die Messlücke ist branchenweit relevant: Unsere Analyse zu Roundels Incrementality-Umfrage und der Überblick über Full-Funnel-Retail-Media unterscheiden Kennzahlen und echte Kausaleffekte. Was standortbezogene Werbung außerhalb des Einzelhandels leisten soll, zeigt das Simon Media Network.
Einordnung: Target demonstriert keinen fertigen Werbedisplay-Rollout, sondern eine strategische Entscheidung über den richtigen Werbekontaktpunkt: lieber eine relevante Anzeige im laufenden mobilen Einkauf als ungeprüft zusätzliche Bildschirme im Laden.
Quellen: Adweek, 19.10.2026; Roundel, offizielle Werbeangebote, Kennzahlen und Messhinweise; Roundel, In-Store-Hubs.
Bild: Target / Roundel, offizielles Unternehmensmotiv. Das Foto zeigt einen bestehenden Service-Hub, nicht die diskutierten zusätzlichen Werbedisplays.
