In Maine entfielen bei den US-Midterms 2026 rund 331 US-Dollar politische Werbeausgaben auf jeden registrierten Wähler. Alaska kam auf 313 Dollar, Iowa auf 252 Dollar. Die Zahlen stammen aus einer am 6. November veröffentlichten Auswertung von AdImpact-Daten und Wählerverzeichnissen durch ADWEEK.
Das macht die Wahl zu einem bemerkenswerten Fall für die Mediaplanung: In kleinen, hart umkämpften Märkten konkurrieren zahlreiche Kampagnen um dieselben Werbeplätze. Die Rechnung wird größer, ohne dass die verfügbare Zielgruppe mitwächst.
Maine: Ein TV-Kontakt kostete nicht für alle gleich viel
Wie der Preisdruck im Alltag aussah, dokumentierte das Bangor Daily News bereits am 17. September. Seit Ende Juli hatte ein durchschnittlicher TV-Haushalt in Maine etwa 46 Spots zum Senatsrennen gesehen – allein im klassischen Fernsehen.
Der entscheidende Unterschied lag nicht nur im Werbevolumen, sondern im Einkauf: Die republikanische Seite zahlte in dieser Zwischenbilanz rund 323 Dollar je Gross Rating Point, die demokratische etwa 263 Dollar. Ein Grund waren die unterschiedlich hohen Anteile externer politischer Gruppen, die für Sendezeit häufig mehr bezahlen als Kandidatenkampagnen. Für dasselbe Budget ließ sich somit unterschiedlich viel TV-Reichweite buchen.
Am 3. November setzte sich der Demokrat Troy Jackson gegen die bisherige republikanische Senatorin Susan Collins durch. Der teurere Werbeeinkauf und der höhere Werbedruck auf republikanischer Seite verhinderten die Niederlage nicht. Das macht den Fall für Performance-Teams interessant: Budgethöhe, gebuchte Kontakte und tatsächliches Kampagnenziel sind drei verschiedene Kennzahlen.
11,87 Milliarden Dollar – und CTV ist längst ein Hauptkanal
Das Ausmaß zeigt der AdImpact Election Day Insights Center: Bis zum Datenstand 2. November 2026 waren landesweit 11,87 Milliarden Dollar politische Werbeausgaben erfasst. Davon entfielen 49 Prozent auf Broadcast-TV, 22 Prozent auf Connected TV, 15 Prozent auf Digitalwerbung und 11 Prozent auf Kabel-TV.
CTV ist damit nicht mehr nur die digitale Ergänzung eines klassischen TV-Plans. Wo politische Kampagnen und Marken gleichzeitig um Streaming-Inventar bieten, werden Frequenz, Reichweitenüberschneidungen und regionale Streuung zu handfesten Kostenfaktoren. Unser Blick auf die CTV-Werbepreise rund um die US-Midterms zeigt den Kanalwechsel im Detail.
Dazu verändert sich die kreative Produktion: Die 187 Millionen Dollar für KI-gestützte Wahlwerbespots zeigen, wie politische Kampagnen neue Inhalte skalieren. Parallel konkurrieren klassische Anzeigen mit Wahlberichterstattung von Creatorn; YouTube dominierte die Wahl-Livestreams.
Was deutsche Marketingteams daraus mitnehmen können
Erstens: Nicht nur der CPM zählt. In einer überbuchten Zielgruppe kann selbst eine präzise Aussteuerung teuer werden. Das Beispiel Maine zeigt, wie Einkaufsbedingungen und die Wahl des buchenden Akteurs den realen Kontaktpreis verändern.
Zweitens: Reichweite braucht eine Frequenzgrenze. Wenn Menschen dieselbe Botschaft in TV, Streaming und Social mehrfach sehen, steigt die Kontaktzahl schneller als die Zahl erreichter Personen. Cross-Channel-Reporting muss deshalb Netto-Reichweite und Überlappungen berücksichtigen.
Drittens: Ergebnisse getrennt von Ausspielung messen. Werbebudget und gebuchte Rating Points erklären den Werbedruck; für die Wirkung sind zusätzliche Daten zum Verhalten und zum Ergebnis nötig. Genau hier liegt die Aufgabe von Tests, Lift-Messung und sauber definierten Kampagnenzielen.
Die US-Zahlen sind ein Extremfall, aber die zugrunde liegende Frage ist universell: Kauft ein höheres Budget mehr relevante Menschen – oder vor allem teurere Wiederholungen?
Quellen: ADWEEK, 6. November 2026; AdImpact, Datenstand 2. November; Bangor Daily News, 17. September; The Guardian zum Wahlergebnis in Maine, 3. November.
