Warner Bros. und Amazon Ads starten zur Kinoauswertung von „The Cat in the Hat“ eine Kampagne über Prime Video, Twitch, IMDb, Alexa und den Amazon-Shop. Die am 26. Oktober 2026 vorgestellte Aktion „Open to Fun“ soll Kontakte aus Streaming, Sprache und interaktiver Werbung in die Auseinandersetzung mit dem Film und schließlich zum Ticketkauf führen. Der neue Animationsfilm startet laut offizieller Amazon-/Warner-Mitteilung am 6. November in Nordamerika, international bereits ab dem 4. November.
Aus einer Anzeige wird ein Weg durch mehrere Geräte
Im Mittelpunkt steht kein einzelner Werbespot, sondern eine verknüpfte Nutzerreise: Wer den Film über Prime Video oder IMDb entdeckt, kann auf einer eigens eingerichteten Amazon-Brand-Store-Seite Trailer ansehen und zu Kinotickets gelangen. Die Seite ist nach Unternehmensangaben bis zum 8. November vorgesehen. Der Zugang zum Mini-Spiel funktioniert auf Mobilgeräten per Bewegungssensor: Durch Neigen des Smartphones sollen Figuren eingefangen werden. Nach der Runde lässt sich das Ergebnis teilen oder eine weitere Runde spielen. Die Spielfigur und ihre Stimme – gesprochen von Bill Hader – bleiben dabei über die Formate hinweg wiedererkennbar.
Alexa erweitert die Aktion um zwei gesprochene Erlebnisse: scherzhafte Tagesaffirmationen und Witze in der Stimme der Filmfigur. Ergänzend nennt Amazon Anzeigen auf der Startseite und in Suchergebnissen sowie Twitch-Livestream-Integrationen. Wie viele Menschen dadurch tatsächlich ein Ticket kaufen, veröffentlicht Amazon bislang nicht.
Warum die bestehende Roblox-Aktion eine andere Funktion erfüllt
Das Amazon-Paket ergänzt eine bereits laufende Kampagne: In drei vorhandenen Roblox-Spielen platziert Warner zeitlich begrenzte Aufgaben und virtuelle Gegenstände. Roblox setzt auf Teilnahme in einer bestehenden Spiel-Community, Alexa auf wiederholbare Sprachkontakte und die Amazon-Seite auf den nächsten konkreten Schritt zum Kinoticket. Beides unter „Gaming-Werbung“ zusammenzufassen, würde die unterschiedlichen Wirkungsziele verdecken.
Die Kombination ist auch deshalb interessant, weil Amazon bereits für NFL-Streams einen Full-Funnel-Ansatz mit Shop- und Werbekontakten beschreibt. Der Revlon-Test mit interaktiver Prime-Video-Werbung zeigt zugleich, dass hohe Interaktionsraten nicht automatisch zusätzlichen Umsatz beweisen.
Welche Kennzahlen für deutsche Marketingteams zählen
Eine sinnvoll aufgebaute Auswertung würde vier Ebenen trennen: qualifizierte Reichweite je Kanal, aktive Interaktion mit Spiel und Sprachfunktionen, Weiterleitung zum Ticketanbieter und tatsächlich zusätzlich verkaufte Tickets. QR-Code-Scans, Klicks oder teilbare Spielstände liefern lediglich Zwischenindikatoren. Wer den kausalen Beitrag messen will, braucht nach Möglichkeit geografische oder zeitliche Kontrollgruppen und eine Betrachtung der Überschneidungen zwischen Twitch, Video und Amazon.
Auch für deutsche Marken ist das Modell übertragbar, nicht jedoch automatisch jedes Produkt der US-Aktion: Sprachfunktionen, Rechte an Filmfiguren und Werbeinventar können sich je nach Markt unterscheiden. Wer eine vergleichbare Aktivierung plant, sollte die Verfügbarkeit, Datenweitergabe, Jugendschutz und die Rechte für nutzergeneriertes Teilen vorab klären. Wie ein anderer Entertainment-Anbieter Social Commerce unmittelbar mit Käufen verbindet, zeigt die Disney-Aktion auf TikTok Shop.
Einordnung: Die Stärke des Ansatzes liegt in unterschiedlichen Kontaktformen, die auf dasselbe Ziel einzahlen sollen. Ohne veröffentlichte Abverkaufs- oder Lift-Daten bleibt „Open to Fun“ aber ein dokumentiertes Kampagnendesign, kein Beleg für eine höhere Kinoauslastung.
Quellen: Amazon und Warner Bros., Pressemitteilung vom 26.10.2026; Marketing Dive, 29.10.2026 (Discovery-Bericht); Warner Bros., Film- und Spielseite; IAB/IAB Europe, Leitlinien für Incrementality.
Symbolbild: Jake Hills / Unsplash, kein Motiv der Warner-Kampagne.
