Coca-Colas wiederbelebte US-Getränkemarke Mr. Pibb verzeichnet 2026 laut Morning Consult den größten Anstieg des Kaufinteresses unter 2.801 untersuchten Marken: plus 11,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Auffällig ist, wer besonders stark reagiert: Bei der Generation X steigt der Wert um 15,5 Punkte, bei Generation Z dagegen um 5,5 Punkte. Das legt einen anderen Schwerpunkt nahe als die übliche Erzählung vom Comeback allein durch junge Social-Media-Zielgruppen.
Das Wachstum betrifft zunächst die US-amerikanische Konsumentenbefragung. Es beschreibt weder automatisch verkaufte Getränkedosen noch Marktanteile oder den Erfolg einer einzelnen Kampagne.
„Schnellstwachsende Marke“ ist hier ein Befragungswert
Morning Consult bezeichnet Mr. Pibb als am schnellsten wachsende Marke, weil der Anteil der Menschen, die einen Kauf erwägen, gestiegen ist. Gemessen werden Veränderungen in Prozentpunkten, nicht eine Wachstumsrate von 11,2 % beim tatsächlichen Absatz. Nach Angaben des Marktforschers verbesserten sich in der Erhebung nur 14 % der 2.801 beobachteten Marken überhaupt.
Die Unterschiede nach Zielgruppen sind aufschlussreich:
- Gen X: +15,5 Prozentpunkte Kaufinteresse.
- TikTok-Nutzende: +12,8 Punkte.
- Millennials: +11,7 Punkte.
- Gen Z: +5,5 Punkte.
Wer TikTok-Nutzer automatisch mit Gen Z gleichsetzt, interpretiert diese Daten falsch. Plattformnutzung und Generation sind unterschiedliche Merkmale. Die Werte stammen aus der Originalauswertung von Morning Consult vom 31. Juli 2026.
Die Wiederbelebung begann im Handel, nicht auf TikTok
Coca-Cola hatte den zuvor als Pibb Xtra verkauften Drink ab Herbst 2025 unter dem alten Namen neu positioniert, Rezeptur und Verpackung überarbeitet und die Verfügbarkeit schrittweise ausgebaut. Zur offiziell dokumentierten US-Kampagne vom März 2026 gehört Basketball-Legende Scottie Pippen. Der Spot wurde rund um March Madness platziert und durch digitale sowie soziale Werbung verlängert.
Die Verknüpfung ist plausibel: Eine vertraute Marke wird im Laden wiedergefunden, erhält einen neuen Grund zur Aufmerksamkeit und bekommt durch Sport und Social Media zusätzliche Kontakte. Daraus lässt sich jedoch kein isolierter Wirkungsanteil für TikTok oder den prominenten Markenbotschafter ableiten. Gleichzeitig mit der Kampagne änderten sich die Produkteigenschaften, die Distribution und das Sortiment.
Zu den Geschäftsergebnissen berichtete Marketing Dive am 15. Oktober unter Berufung auf Coca-Cola-Angaben einen Volumenzuwachs von mehr als 20 % im zweiten Quartal. Das ist eine andere Kennzahl als Kaufinteresse: Sie bezieht sich auf tatsächliches Absatzvolumen und braucht für eine Marketingbewertung zusätzlich Ausgangsniveau, Vertriebsausweitung und Marktvergleich.
Die Marketing-Lektion: Drei Ebenen getrennt messen
Für Markenverantwortliche lohnt sich eine getrennte Erfolgskontrolle: Bekanntheit zeigt, ob die Kampagne ins Bewusstsein gelangt. Kaufinteresse zeigt, ob Konsumenten das Produkt in Betracht ziehen. Absatz und zusätzlicher Umsatz beantworten, ob sich das Geschäft tatsächlich verbessert. Steigen alle drei Werte, ist das ein gutes Signal – aber noch kein Nachweis, welcher Kanal welchen Effekt verursachte.
Das Beispiel ergänzt unsere Einordnung, wie Fanta Halloween zur wiederkehrenden Markenwelt ausbaut, und die Analyse des WARC-Trends zu steigenden Social- und Retail-Media-Ausgaben bei Konsumgütermarken. Beim Mutterkonzern zeigt auch die Neuordnung des Coca-Cola-Mediaetats in Nordamerika, dass Kampagnen und Mediaplanung getrennte Managemententscheidungen bleiben.
Fazit: Mr. Pibb liefert ein interessantes Beispiel für ein erfolgreiches US-Markencomeback. Gerade weil die stärkste Veränderung bei Gen X gemessen wurde, sollten Marketer das Resultat nicht vorschnell zu einer Gen-Z- oder TikTok-Erfolgsgeschichte umschreiben. Aussagekräftig wird das Wachstum erst, wenn Befragungswerte und Verkaufszahlen sauber auseinandergehalten werden.
Bild: offizielles Mr.-Pibb-Produktmotiv aus dem Pressebereich von The Coca-Cola Company (20. März 2026).
