The Trade Desk holt Mitgründer und früheren Technikchef Dave Pickles wieder stärker ins Unternehmen. Seit dem 3. November 2026 ist klar: Pickles soll einen neuen CTO Council aufbauen und die technische Richtung der Werbeplattform mitbestimmen. Auf der Agenda stehen KI-Agenten, die Architektur der Plattform und effizientere Abläufe beim programmatischen Mediaeinkauf. Für Werbekunden ist das mehr als eine Personalie: The Trade Desk versucht, seine Software nach einer schwierigen Wachstumsphase wieder zum überzeugenden Werkzeug für Media-Teams zu machen.
Ein Technikrat statt eines gewöhnlichen CTO-Wechsels
Pickles gründete The Trade Desk gemeinsam mit CEO Jeff Green und verantwortete jahrelang die Technologie. Im September 2023 gab er den CTO-Posten und seinen Sitz im Verwaltungsrat ab, blieb aber Berater. Jetzt rückt er wieder näher an Produkt- und Engineering-Entscheidungen heran. Der neue Rat soll technische Architektur, Investitionen und Produkt-Roadmap begleiten. Eine Ernennung zum operativen CTO hat das Unternehmen nicht angekündigt.
Hinter dem Schritt steht ein handfestes Geschäftsproblem. Im zweiten Quartal 2026 erzielte The Trade Desk 715 Millionen US-Dollar Umsatz, nur drei Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Jahr zuvor hatte das entsprechende Quartalswachstum noch bei 19 Prozent gelegen. Im September folgte ein Abbau von rund 15 Prozent der Stellen. Nach dem organisatorischen Neustart soll nun auch die Produktentwicklung mehr Orientierung bekommen.
Die entscheidende Baustelle heißt Kokai Zuma
Dass der CTO Council ausdrücklich KI-Workflows nennt, passt zum Produktkurs. Bereits im August stellte The Trade Desk Kokai Zuma vor: eine überarbeitete Oberfläche, zusätzliche Messwerkzeuge und den KI-Assistenten Koa mit spezialisierten Agenten. Sie sollen beispielsweise Zielgruppen entwickeln, Kampagnen analysieren, Fehler aufspüren oder Frequenzeinstellungen optimieren.
Der Mehrwert entsteht dabei nicht durch einen Chatbot im Dashboard, sondern durch zuverlässige Verknüpfung mit Prognosen, Kampagnendaten und den tatsächlichen Buchungsabläufen. Gerade für große Mediaeinkäufer zählt, ob Automatisierung auch bei vielen Kanälen, Kundenkonten und Freigabeprozessen funktioniert. Einige Zuma-Funktionen sind noch in geschlossenen Tests; The Trade Desk rollt sie schrittweise aus. Die Funktionen von Kokai Zuma und die Entwicklung agentischer Werbesysteme zeigen, wie stark sich der Programmatic-Markt gerade verändert.
Was für deutsche Werbungtreibende zählt
The Trade Desk ist eine Demand-Side-Plattform für Werbeplätze im offenen Internet, darunter Connected TV, Video, Audio und Display. Für Marketingteams ist die eigentliche Frage deshalb, ob sich Kampagnen mit weniger manueller Arbeit besser kontrollieren und messen lassen. Drei Punkte verdienen in den nächsten Produktversionen besondere Aufmerksamkeit: nachvollziehbare Entscheidungen der KI-Agenten, brauchbare Conversion-Lift-Reports und transparente Kosten entlang der Einkaufsstrecke. Letzteres ist bereits ein Thema bei den DSP-Gebühren für Agenturen.
Der nächste Realitätscheck folgt schnell: Am 9. November 2026 veröffentlicht The Trade Desk seine Zahlen für das dritte Quartal. Dann wird deutlicher, wie sich das Werbegeschäft entwickelt. Die Rückkehr von Pickles ist vor allem ein Signal, dass Jeff Green technologische Ausführung wieder stärker an den Kern der Unternehmensstrategie rückt.
Quellen
- The Trade Desk: Mitteilung zur erweiterten Rolle von Dave Pickles, 3. November 2026
- The Trade Desk: Kokai Zuma, Funktionen und gestaffelter Rollout
- The Trade Desk: Offizielle Q2-Finanzzahlen 2026
- The Trade Desk: Q3-Ergebnistermin am 9. November
- Adweek: Bericht über die Rückkehr von Pickles, 3. November 2026
